Es war 8.16 Uhr am 25. April. Plötzlich taucht er auf aus dem weißen Wolkenmeer: der eisbekrönte Vulkankegel des Cotopaxi, 5897 Meter hoch und nicht nur der geografische Höhepunkt unserer Reise, die für 20 ZEIT-Leser gestern an verschiedenen Flughäfen in Deutschland begonnen hatte. Treffpunkt am KLM-Abflug-Gate in Amsterdam-Schiphol. Schnell findet sich das Grüppchen zusammen, das 19 Tage lang gemeinsam die Straße der Vulkane in Ecuador erkunden will. Erkennungsmerkmale: erdfarbene Outdoorhosen, Allwetter-Trekkingjacken, feste Bergstiefel, steigeisentauglich und gut eingelaufen wie verlangt. An den Tagesrucksäcken die knallroten Plastikanhänger von Hauser exkursionen.

Unser prominentester Reiseteilnehmer ist allerdings noch nicht mit an Bord: Reinhold Messner, der heute noch im EU-Parlament seiner Verpflichtung als Abgeordneter der Grünen Partei Südtirols nachzugehen hat. Er wird einen Tag später zu uns stoßen.

20 Menschen, 20 verschiedene Charaktere, aus denen in den nächsten zweieinhalb Wochen Seilschaften für die anstehenden Besteigungen werden sollen. Derweil erscheint unter uns das Häusermeer von Quito, wir tauchen durch die Wolkendecke und landen pünktlich um 9.35 Uhr auf 2800 Metern über dem Meer in der Hauptstadt Ecuadors.

Am Flughafen empfangen uns Camilo, der uns auf unserer Reise begleiten wird, und seine holländische Frau Marjolein. Beide führen die Trekkingagentur Campus, die unsere Reise in die Berge organisiert hat. Wir verfrachten Seesäcke, Rucksäcke, bauchige Reisetaschen und merkwürdigerweise auch sperrige Koffer ins Heck des silberglänzenden Mercedesbusses, Modellreihe 9.11, mit seinen dreißig Jahren fast ein Oldtimer. Fahrer Carlos, der mit seiner Statur eher an einen Suma-Ringer erinnert denn an einen andengängigen Bus-Chauffeur, wuchtet das Gepäck scheinbar mühelos hinter die Rückbank. Los geht's, buenos dias, Ecuador.

Auf einer kleinen Stadtrundfahrt macht man uns mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Quitos bekannt - Kirchen, Klöster, Altstadt. Mit von der Partie ist Peter Korneffel, ZEIT-Mitarbeiter in Lateinamerika, der schon unsere Galápagos-Reise mit seinem Detailwissen bereichert hat. Bei seinem Vortrag über den Universalgelehrten Alexander von Humboldt erfahren wir, dass wir uns auf historischen Spuren bewegen: Genau 200 Jahre vor uns bereiste das deutsche Forschergenie Ecuador, auf einer ähnlichen Route, wie wir sie nehmen sollten. In Ecuador wird er fast noch mehr verehrt als in Deutschland. Als Zeitgenosse Simon Bolívars, dem er in Paris begegnete, schreibt mancher dem Freidenker Humboldt auch Gedenken für den Freiheitskampf der Indios gegen die Spanier zu. In unserem Hotel Rio Amazonas fallen wir in einen tiefen Schlaf.

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