Für Zeitungen gibt es eigentlich nichts Schöneres, als ständig von anderen Zeitungen erwähnt zu werden. Der Kampf um die Zitate erscheint mitunter wie der Haupt(an)trieb im Medienzirkus. Da ist es eine besondere Ehre für den Focus, gar mit einer Wortschöpfung im Gespräch zu sein - denn die bringt nicht nur ein paar aktuelle Erwähnungen mit sich, sondern auch einen Eintrag ins Geschichtsbuch der Presse. Weil das Magazin schon im Mai 2001 vor dem Teuro warnte, wurde es für den angeblichen Neologismus jüngst mit dem Pons Medienpreis des Klett-Verlags ausgezeichnet. Die Bild-Zeitung ehrte die Kollegen gleich darauf in ihrer täglichen Titelseiten-Kolumne als Gewinner.

Dumm nur, dass das alles gar nicht stimmt. Erfunden hat den Teuro nämlich nicht Focus, sondern das Satiremagazin Titanic. Im Februar 1997 warnte es bereits vor dem ganz, ganz dummen Wortspiel in den Plappermäulern von Kabarettisten und Moderatoren. Laut Chefredakteur Martin Sonneborn wollte Titanic damit das banale und naheliegende Wortspiel Teuro verbieten. Doch das ist wohl misslungen. Satiriker Sonneborn sagt: Wir sind frustriert, dass wir nicht die notwendige Autorität hatten und dass ein Focus-Blödmann jetzt auch noch einen Preis bekommt. Letzterer heißt Jochen Schuster. Per E-Mail rechtfertigte er sich bei Sonneborn: Ich habe mir gleich gedacht, dass die Bezeichnung nicht von mir ist. Aber die Leute vom Klett-Verlag haben drauf bestanden. In der Tat hatte die Münchner Abendzeitung schon einen Monat vor Focus gewarnt: Der Euro wird zum Teuro.