Jetzt hat es auch der Bundeskanzler begriffen: Bildung muss zum Hauptfach der Politik werden. Mit seiner Regierungserklärung zu Schulen und Universitäten - der ersten in vier Jahren - will Gerhard Schröder den beklagenswerten Zustand und die überfällige Reform deutscher Lehranstalten zum Thema für den Wahlkampf machen.

Dort gehört die Bildung hin. Mehr als 20 Jahre lang beherrschte eine Schrebergartenmentalität die Bildungsdebatte. Statt im Wettbewerb voneinander zu lernen, wachten die Kultusminister eifersüchtig über ihre Parzellen und pflegten ihre ideologischen Beete: für oder wider Gesamtschulen, für oder wider reformierte Oberstufe ... Während andere Nationen neue Lernkonzepte erprobten und ihren Schulen mehr Autonomie einräumten, aber auch erhöhte Rechenschaftspflicht abverlangten, verharrten wir in fruchtlosen Debatten.

Die Pisa-Studie hat uns die Folgen vor Augen geführt und die Bildung dorthin zurückgeholt, wo ihr Platz ist: in die große Politik. Die meisten Wähler werden das mit Wohlgefallen sehen. Fragt man die Deutschen nach den wichtigsten Themen, belegt die Bildung hinter Arbeitslosigkeit und Gesundheit mittlerweile den dritten Platz.

Das Pech der Zuwanderer

Die schlechten internationalen Zeugnisse zwingen die Politik zu reagieren.

Plötzlich gibt die SPD ihren Widerstand gegen regelmäßige Leistungsvergleiche zwischen den Bundesländern auf. Die CDU bricht mit ihrer Kinder-gehören-zur-Mutti-Politik und propagiert Ganztagsschulen. Und die Kultusminister einigen sich darauf, in verbindlichen Bildungsstandards für alle Schulen festzulegen, was Kinder können und wissen müssen.

Nirgendwo in Europa liegen diese Fähigkeiten der Schüler so weit auseinander wie in Deutschland, und fast in keinem Land hat die Herkunft der Kinder so großen Einfluss auf den Lernerfolg wie hierzulande. Das gilt besonders für die ausländischen Sorgenkinder des Bildungssystems.