Wissen zu produzieren kostet Unternehmen viel Geld. Wissen zu verkaufen kostet sie Überwindung. Anders dürfte es kaum zu erklären sein, dass viele Firmen ungenutzte Patente jahrzehntelang verstauben ließen, anstatt sie anderen gegen eine Lizenzgebühr zur Nutzung zu überlassen - oder sie sogar zu verkaufen. Jetzt kommt der Markt für Patente und Lizenzen in Bewegung. Die professionelle Vermarktung erweist sich - wie Beispiele aus Japan, den USA und neuerdings auch aus Deutschland zeigen - sogar als eine Geldquelle, die innovativen Unternehmen Millionen einbringt.

Nicht mehr derjenige, der die meisten Patente anmeldet, hat die Nase vorn, sondern der, der sie gewinnbringend nutzen kann. Ende Januar meldete beispielsweise der japanische Elektronikkonzern NEC noch begeistert, er zähle mit 1953 Patenten in den Vereinigten Staaten dort zu den technologisch führenden Unternehmen. Vier Monate später gab der Konzern bekannt, den Umsatz aus Verkauf und Lizenzierung von Patenten binnen drei Jahren von 85 auf 427 Millionen Euro steigern zu wollen. Sich intellektuelles Eigentum zu sichern ist wichtig - es zu vermarkten gilt als Strategie der Zukunft.

Eine Strategie, die aus der Not heraus geboren wurde. Patente sind teuer, sie zu bekommen ist umständlich - und sie nicht zu nutzen bringt keine Rendite. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen auch bei den Unternehmen herumgesprochen. "Früher hieß es: Unser Know-how darf keiner haben. Seit zwei bis drei Jahren gibt es in der Wirtschaft aber ein Umdenken, diese Patente wenigstens kommerziell zu nutzen", sagt Hartmut Höhne, bei Procter & Gamble für den Technologietransfer in Europa zuständig.

In Europa und den Vereinigten Staaten hat sich die Zahl der Patentanmeldungen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, in Deutschland nahezu verdreifacht. Hierzulande sind heute rund 372 000 Patente in Kraft, weltweit sind es über vier Millionen. Doch das starke Wachstum bei der Zahl der zugelassenen Patente hat einen Haken, denn ein großer Teil des rechtlich geschützten Wissens bleibt ungenutzt. Die Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe (TEG) ermittelte noch 1999, dass, unabhängig von der Firmengröße, 40 Prozent aller Patente weder verwertet noch aus strategischen Gründen gehalten werden. In einzelnen Unternehmen sollen es sogar 80 bis 90 Prozent sein. Die Inhaber wollen ihre Rechte nicht vermarkten - alle anderen dürfen es nicht. Manche Innovationen werden so blockiert.

Lizenzen im Wert von mehr als vier Billionen Dollar

Dabei sind Patente eingeführt worden, um genau das Gegenteil zu erreichen: Als in Deutschland 1877 das erste Patentgesetz verabschiedet wurde, sollte es den Erfindergeist ankurbeln und damit die Wirtschaft beleben. Industriebetriebe können ihre Erfindungen patentieren lassen, um die Früchte ihrer langwierigen und teuren Entwicklungsarbeit vor Trittbrettfahrern zu schützen. Patentierbar sind Erfindungen, die neu, nicht offensichtlich und gewerblich nutzbar sind. Die Idee wird offen gelegt, dafür kann der Inhaber sie bis zu 20 Jahre exklusiv nutzen. Patente gelten noch vor Urheberrechten oder Warenzeichen als wichtigste Form geistigen Eigentums.

Die Kosten für die Exklusivrechte an der eigenen Idee sind enorm. Nach einer Studie des amerikanischen National Bureau of Economic Research kostet die Anmeldung eines Patents in den Vereinigten Staaten etwa 15 000 bis 100 000 Dollar, in Europa sind es knapp 30 000 Euro. Die Fraunhofer-Gesellschaft veranschlagte 1999 in Europa für die ersten zehn Jahre nach der Anmeldung Gesamtkosten von 100 000 Euro. Bis zu fünf Jahren dauert die Prüfung durch die zuständige Behörde, erst dann wird das Patent erteilt. Deren Zahl liegt oft bei weniger als der Hälfte der Anmeldungen. In Deutschland und Europa ist dieses Verhältnis wegen der hohen Arbeitsbelastung und schlechter Personalaustattung im Patentamt in den vergangenen Jahren sogar noch geringer geworden.