Oberste Maxime der SED war die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik", was in der Praxis aber irgendwie nicht funktionieren wollte, weshalb am Ende die ganze DDR verschwand. Zwölf Jahre später versucht sich Gregor Gysi als Berliner Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen erneut an der Herstellung dieser Einheit. Was im real existierenden Kapitalismus auch bedeutet: um die Einheit von Regierungs- und Oppositionspolitik zu ringen, also um die Übereinstimmung von Wirklichkeit und Traum.

Sein Traum sei es, eine Frau zu sein, hat Gysi vor zweieinhalb Jahren gesagt (ZEIT Nr. 48/99). Ihn reize das "Mysterium der weiblichen Wesens- und Denkungsart". Irgendwie sähen Frauen die Welt anders. "Wieso", fragte er sich, "individualisieren Frauen da, wo Männer sich mit Abstraktion abfinden?"

Gysis Wirklichkeit heißt Sparen. Er streicht Zuschüsse für Berliner Frauenprojekte um knapp 200 000 Euro, was, wie seine Behörde rechtfertigt, ja nur 1,3 Prozent der gesamten Förderungssumme seien. Abstrakt gesehen.

Individuell trifft es den Berliner Verein OWEN, dessen Arbeit mit Frauen in Osteuropa nicht mehr gefördert werden soll. Fünf Mitarbeiterinnen und Dutzenden Projekten droht das Aus.

"Kreative Frauen betreiben ihren Job mit einer ganz anderen Leidenschaft, mit einem ganz anderen Hang zur Selbstaufopferung als Männer", träumte Frauenversteher Gysi zu Oppositionszeiten. Gegen den Regierungspolitiker Gysi demonstrieren jetzt die OWEN-Frauen. Sie wissen Antwort auf seine Fragen: "Wie erscheine ich aus dem Blickwinkel einer Frau? Worin wirke ich angenehm, sympathisch? Wann mache ich mich lächerlich?" alf