die zeit: Wie kam es, dass Sie Schauspieler wurden?

Richard Serra: Also, Schauspieler bin ich nicht geworden. Matthew Barney fragte mich eines Tages, ob ich in Cremaster 3 mitspielen wolle. Ich sah mir das an und sagte: klar. Ich kenne ihn und seine Arbeit seit Jahren und denke, dass er ein intensiver junger Mann und Künstler ist.

zeit: Wie beschreiben Sie Ihre Rolle?

Serra: Es gibt in seinem Film einen Subtext, der hat mit irischer Mythologie zu tun und mit den Mormonen und den Freimaurern. Und ich denke, dass ich im letzten Teil des Films so etwas bin wie der Architekturhäuptling, das Oberhaupt der Freimaurer, ein egomanischer Erbauer des Chrysler-Gebäudes. Ich bin da porträtiert als die Inkarnation des bösen, exzentrischen Künstlers, ich bin der Verrückte. Am Ende des Films bringt er mich um, und dann stirbt er (lacht). Ich würde sagen, mein Part schwankt zwischen Objekt und Schauspieler.

zeit: Wie sehen Sie Matthew Barney? Als eine Zeitgeisterscheinung, wie Jeff Koons es vor 15 Jahren war?

Serra: Nein, Matthew ist ganz bei sich selbst und auf sich selbst gestellt.

Er arbeitet dort, wo kein anderer arbeitet. Er schreibt das Drehbuch, macht die Ausstattung, spielt im Film. Er ist sehr intensiv und irgendwie überwältigend. Ich glaube, dass er gut Bescheid weiß über sich selbst und übrigens sehr genau sieht, wie in unserer Welt die Medien die Menschen auffressen. Es steht mir nicht zu, ein Urteil über seine Kunst abzugeben.