Bereits im Frühjahr 1992 war die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAST) in Rostock völlig überfüllt. Es kam zu zahlreichen Beschwerden aus der Bevölkerung. Die Stadt sei jedoch "ihren Verpflichtungen im Asylverfahren und bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht nachgekommen", stellte der Untersuchungsausschusss des mecklenburgischen Landtages ein gutes Jahr später fest. Am 24. August 1992 eskalierte die Lage.

Ein Aufruf in der lokalen Presse, "etwas zu unternehmen", führte zu einer Menschenmenge vor der inzwischen geräumten ZAST. Angefeuert von über 1000 Schaulustigen, wandten sich die etwa 400 Jugendlichen gegen ein benachbartes und von der Polizei völlig ungeschütztes Wohnheim für Vietnamesen. Brandsätze flogen.

257 Personen mussten sich daraufhin zum Teil gemeinschaftlich vor einem Richter im Bezirk des Landgerichtes Rostock verantworten. Die überwiegende Mehrheit der 215 Verfahren wurde wieder eingestellt. In 160 Fällen sei die Tat nicht nachweisbar gewesen, bei 13 Personen habe das Gericht die Schuld für zu gering befunden, und bei weiteren neun sei es zu einer Ermahnung durch Richter oder Staatsanwalt gekommen, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Rostock. Ein mutmaßlicher Täter war im vergangenen November - zu Beginn des derzeit laufenden Prozesses in Schwerin - zur Fahndung ausgeschrieben. Wo der Flüchtige sich jetzt aufhält oder ob die Fahndung noch läuft, ist der Staatsanwaltschaft nicht bekannt.

Bei insgesamt 44 Urteilen im Bezirk des Landgerichts Rostock wurden elf junge Leute zu Jugendhaftstrafen zwischen sieben Monaten und drei Jahren verurteilt. Vier von ihnen mussten für einen Zeitraum zwischen zwei und drei Jahren tatsächlich ins Gefängnis, die sieben übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. C.G.