Heimatliche Gefühle" kamen bei Geoffrey Marcy von der University of California in Berkeley auf, als er den neuen Planeten entdeckte. Am vergangenen Donnerstag hat die Nasa seinen himmlischen Fund auf einer Pressekonferenz vorgestellt: ein Monstrum, viermal so groß wie Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. Und das weckt Heimatgefühle? Marcys Kollege Paul Butler von der Carnegie Institution relativierte die Schwärmerei ein wenig: Das Planetensystem des Sterns 55 Cancri im Sternbild Krebs sei allenfalls ein "Cousin" unserer Heimat. Tatsächlich ist der gerade entdeckte Planet jedoch ein unwirtlicher Gasriese mit erdrückender Schwerkraft. Ein Mensch würde dort 100 Tonnen wiegen, sein Eigengewicht verwandelte ihn sofort zu Matsch.

Dennoch waren die Astronomen Marcy und Butler in Washington zu Recht fasziniert: Erstmals hatten sie außerhalb des Sonnensystems einen Planeten entdeckt, der um sein Zentralgestirn auf einer Bahn kreist, die vergleichbar ist mit den Bahnen "unserer" Planeten. In diesem Fall ist der Wandelstern so weit von seiner Sonne entfernt wie der Jupiter von unserer. Zudem ähneln sich auch die beiden Sonnen. Zwei weitere Gasriesen dieses Systems waren schon länger bekannt, sie ziehen auf sehr engen Ellipsen ihre Bahn. Dazwischen liegt ein bislang leerer Streifen - und dort könnte, das hat jedenfalls der Astronom Greg Laughlin ausgerechnet, ein Planet von der Größe der Erde auf einer stabilen Bahn kreisen.

Wahrscheinlich ist diese Lücke für die Astronomen viel aufregender als die drei Riesenplaneten. Denn die Sichtung einer "zweiten Erde" wäre die größte wissenschaftliche Entdeckung unseres Jahrhunderts und eine der wichtigsten in der Geschichte der Menschheit überhaupt - wenn sich dort Spuren von Leben nachweisen ließen. Mit der Methode wurden in den vergangenen sieben Jahren bereits 91 Exoplaneten (also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems) gefunden. Doch sie wissen, dass mit ihrem Verfahren keine neue Erde zu entdecken ist - dazu ist es zu grob. Entsprechende Werkzeuge sind jedoch vorhanden, und innerhalb der nächsten 10 oder 15 Jahre ließe sich durchaus ein erdähnlicher Planet finden.

Allerdings ist die Wissenschaft bei der Suche nach außerirdischem Leben inzwischen bescheidener geworden. Alle Planeten und Monde in unserem Sonnensystem haben sich bislang als mausetot erwiesen, weil sie zu heiß, zu kalt, zu trocken, zu groß oder zu klein sind. Die Suche nach intelligenten Radiosignalen, Seti genannt, ist trotz mehrfach verbesserter Methoden erfolglos geblieben - das All schweigt. Schon die Entdeckung der mickrigsten Mikrobe irgendwo da draußen würde das Weltbild vieler Menschen umstürzen und eine alte Streitfrage beantworten: Entwickelt sich das Leben unter geeigneten Bedingungen quasi automatisch, oder ist die Erde ein einsamer Sonderfall im All? Die Entdeckung eines erdähnlichen Exoplaneten wäre da ein wichtiger Schritt.

Sterne eiern wie Hammerwerfer

Gerade solche Objekte sind aber mit heutigen Mitteln nicht aufzuspüren. Denn Planeten sind im Vergleich zu Sternen sehr klein und sehr dunkel. Alle bisher entdeckten Exoplaneten sind nicht direkt beobachtet worden, sondern nur aufgrund der Wirkung ihrer Schwerkraft. Streng genommen kreisen die Planeten ja nicht um ihre Sonne, sondern alle Körper eines Planetensystems um den gemeinsamen Schwerpunkt. Ähnlich wie ein Hammerwerfer bei seiner Drehung nicht exakt um seine Mitte rotiert, so "eiert" auch jeder Stern ein bisschen, der von Planeten begleitet wird. Ein winziges bisschen - denn die Planeten sind im Vergleich wirklich klein. Wäre die Sonne so groß wie ein Fußball, so hätte Jupiter das Format eines Golfballs und die Erde das eines Stecknadelkopfes.

Trotzdem lässt sich diese leichte Unwucht messen. Die Wissenschaftler benutzen dazu nicht die seitliche Abweichung des Sterns, die kaum zu beobachten ist, sondern seine Bewegung in der Beobachtungsrichtung, die sich in einer Frequenzverschiebung des Sternenlichts äußert - vergleichbar mit einer Polizeisirene, die höher klingt, wenn der Streifenwagen sich nähert.