Höchste Staatsämter gelten gemeinhin als höchst erstrebenswert

wenigen erscheinen sie auch als Sache der Bürgerpflicht. Wenn also ein Kandidat für den Posten des obersten Soldaten der Republik aus Erleichterung darüber, dass der Zuschlag an einen anderen ging, eine Flasche Champagner köpft, ist das mindestens ungewöhnlich und bedarf der Erklärung.

Aber der Reihe nach. Neuer Generalinspekteur - der 14. seit Gründung der Bundeswehr und der dritte der Ära Scharping - ist seit diesem Donnerstag der Heeresgeneral Wolfgang Schneiderhan, vormals Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministerium. Er folgt darin dem 4-Sterne-General Harald Kujat, der als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses nach Brüssel entschwindet.

Der Darbringer des spontanen Dankesopfers war, so heißt es, der von Kujat als Nachfolger ins Spiel gebrachte Flottenkommandeur Lutz Feldt. Schon für sich bemerkenswert ist, dass jene, die das kolportieren, den angeblichen Vorfall nicht nur nicht bezweifeln, sondern sogar nachfühlbar finden. Und so sind auch die einstimmigen Lobeshymnen der Generalität auf den Neuen - sachkundig sei er, erfahren, fair und integer - stets mit dem leisen Seufzer versehen: Bloß beneiden tut ihn keiner.

Der 55-jährige Generalleutnant Schneiderhan, ein umgänglicher Schwabe aus Bad Saulgau mit fünf Kindern und einer Ehefrau, die als Jugendrichterin arbeitet, erbt ein schweres Amt. Das hat kein Geringerer als sein Vorgänger, der Meister des unschuldig-listigen Blicks, ihm öffentlich bescheinigt, in einer fulminanten Abschiedsrede auf der Jahrestagung der Kommandeure im April.

Kujats düstere Zwischenbilanz in Hannover: Die Truppe ächzt unter der Last von 10 000 Soldaten an einem halben Dutzend Einsatzorten im Ausland

die Reform der Bundeswehr besteht aus halbfertigen Baustellen, eine jede von Geldmangel gefährdet