Günther Beckstein: Wir in Bayern haben mehr für Ausländerkinder getan als viele andere Bundesländer, das gilt für den frühen Unterricht in der Muttersprache und für Förderkurse in deutscher Sprache ebenso wie für den islamischen Religionsunterricht. Allerdings: Bundesweit 25 Prozent Ausländerkinder ohne einen Schulabschluss und noch mehr ohne berufliche Ausbildung - das ist eine tickende Zeitbombe, da wachsen viele Menschen mit sozialen Problemen heran. Das hat auch Einfluss auf die Kriminalitätslage.

ZEIT: War das nicht abzusehen?

Beckstein: Selbstverständlich, in diese Schwierigkeiten sind doch alle sehenden Auges hineingerannt. Da ist es umso absurder, dass die rot-grüne Bundesregierung weitere Zuwanderer will ...

ZEIT: ... beruflich besonders qualifizierte, die trotz allem Mangelware sind.

Beckstein: Das will ich nicht bestreiten, und einige wenige Hochqualifizierte brauchen wir auch. Aber es geht eben nicht nur um die, sondern auch um Wenig- oder Nichtqualifizierte. Da wirbt Deutschland um Zuwanderer und ist nicht einmal in der Lage, Hunderttausende von bereits hier lebenden ausländischen Jugendlichen auszubilden. Würde man mehr für deren Integration tun, gäbe es weniger Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und für unsere Sozialkassen.

ZEIT: Warum stimmt Bayern dann nicht für das rot-grüne Zuwanderungsgesetz, das doch besonderen Wert auf die Integration legt?

Beckstein: Weil das Gesetz gerade in diesem Punkt von einer abenteuerlichen Lückenhaftigkeit ist. Da wird ein bisschen mehr Geld für Integrationskurse von neuen Zuwanderern locker gemacht, aber viel zu wenig. Für die bessere Eingliederung der zahlreichen bereits hier lebenden Ausländer geben die neuen Bestimmungen keine Antwort, das finde ich unerträglich. Otto Schilys Darstellung seines Zuwanderungsgesetzes entspricht leider in keinster Weise der Realität. So behauptet er, die Zuwanderung würde gebremst, ich jedoch entgegne: Sie wird mit der neuen Regelung ausgedehnt - und zwar massiv.