Da schließt sich ein Kreis: Im Münchner Residenztheater kehrt Franz Xaver Kroetz mit heiliger Einfalt in jenen Stand der Unschuld zurück, dem er vor mehr als 30 Jahren entflohen ist. Es war die Unschuld des deftigen Volkstheaters mit Weißwurst und Maßbier, auf das damals die Faust des jungen Schauspielers, Dramatikers und Regisseurs niedersauste. Aus den Trümmern zimmerte er sich das neue, das sozialkritische Volkstheater - die Baupläne stammten zwar von Horváth und Fleißer, doch die Menschen, die fortan auf der Bühne hausen sollten, waren mit dem A-Chromosom von Kroetz geschlagen: Arbeitssklaven, Außenseiter, Ausgestoßene, deren dumpfes Bewusstsein in brutaler Sexualität Erleichterung suchte. Und heute? Die Löwenpranke, die Ferdinand Raimunds Zauberposse Der Bauer als Millionär als antikapitalistisches, ja, als kommunistisches Manifest zugerichtet hätte, ist dem Regisseur Kroetz abhanden gekommen. Auf Samtpfoten begleitet er das Feenspiel, das als rührend hilflose Antwort auf die im Biedermeier aufkommende anonyme Geldwirtschaft zu lesen ist. Fortunatus Wurzel, den Jörg Hube mit blanker Selbstgefälligkeit und aschgrauer Demut ausstattet, kommt durch die allegorische Figur des Neids zu Reichtum, aber nicht zu Glück - glücklich macht ihn erst die Zufriedenheit, der Sibylle Canonica den robusten Charme einer Hausfrau überstülpt. Dass Kroetz den Hokuspokus wohlwollend ironisiert, persifliert und karikiert - geschenkt. Dass er just dem Liebespaar Lottchen und Karl ebendieses Wohlwollen entzieht, weil er in ihrem romantischen Idealismus schon den Fundamentalismus der geballten Faust wittert, ist bemerkenswert. Der Märchenonkel Kroetz aber streckt beide Hände aus, um im Sinne Raimunds das Hohelied auf die Bescheidenheit und die Pellkartoffel zu dirigieren. Das Alter macht weise und zahnlos - eigentlich müsste das Resi jetzt den Bundespräsidenten mit einer Regie beauftragen: Versöhnen war, anders als bei Kroetz, schon immer sein Geschäft.