In einer Szene zwischen der Hausherrin Cathérine Deneuve und ihrem Dienstmädchen Emanuelle Béart fällt zufällig ein kleines Porträtfoto auf den Boden, das Schneider in den siebziger Jahren zeigt - und plötzlich verknoten sich die Zeitachsen. Romy Schneider, die Ikone, scheint aus dem Jenseits in die Einstellung zu schweben. Währenddessen öffnet Béart, ganz frivoler Vamp, die Haare und schüttelt sie zu einer Frisur zurecht, die an die junge Cathérine Deneuve erinnert. Angesichts einer so blitzartigen Überrumpelung von Bildern der Jugend, Vergänglichkeit und Überhöhung, in der sich letztlich auch ihr eigenes Schauspielerinnendasein spiegelt, flüchtet sich Deneuve in die beherrschte Fasson, mit der sie sich seit vier Jahrzehnten durch ihre Filme bewegt - macht auf dem Absatz kehrt und verlässt die Szene.

Mit luxuriösem Pelz, goldblonder Betonfrisur und extravaganter Zigarettenspitze ist die unablässig whiskeysüffelnde Deneuve so etwas wie das natürliche Zentrum von Ozons Ensemblefilm. Schon wenn sie zu Beginn mit der kontrollierten, aber auch leicht ermüdeten Souveränität der bourgeoisen Familienchefin die Szenerie betritt, erzählen ihre angespannten Züge und fast unmerklich flatternden Mundwinkel eine andere Geschichte. Die von der permanenten Anstrengung, das eigene Erscheinungsbild zu manipulieren, eine Rolle zu spielen, im Blick der anderen zu existieren.

Dass Repräsentation das eigentliche, höchst unterhaltsame Thema dieses Films ist, davon sprechen nicht nur seine theaterhaften Kulissen, bonbonbunte Farben und ein Vorspann, der die einzelnen Darstellerinnen ausgelassen durch Blumen charakterisiert (in The Women hatte George Cukor seine ebenfalls ausschließlich weiblichen Schauspielerinnen 1939 noch mit Tieren assoziiert). Im Rhythmus des Boulevards knallende Türen, ständig das Bild rahmende Vorhänge und eine Eingangshalle mit einer Showtreppe, die an die großen Musicals erinnert, lassen jede Szene der 8 Frauen zum Auftritt werden. Auch der Plot ist ganz offensichtlich nur ein kriminalistischer Vorwand, um vom Jungtalent Ludivine Sagnier bis zur Grande Dame Danielle Darrieux acht französische Schauspielerinnen zwischen achtzehn und achtzig möglichst ausgiebig in gemeinsamen Einstellungen zu feiern.

Ein Toter und viele Lebenslügen

Nach der Ermordung des Familienpatriarchen sehen sich dessen weibliche Verwandte und Bedienstete in einem verschneiten Haus von der Umgebung abgeschnitten und versuchen zwischen Rivalitäten und Geldgier, erotischen Verstrickungen und weiteren Leichen im Keller die Mörderin zu ermitteln. Dabei kommen hinter den adrett zurechtgeschminkten Fassaden aber vor allem Trauer, Frustrationen, gescheiterte Biografien und ein riesiger Haufen von Lebenslügen an Tageslicht. Bei allem Überschwang, mit dem Ozon seinen Heldinnen den Kinohimmel ausleuchtet, erzählt 8 Frauen quer durch die Generationen auch die bitteren Seiten ihres Berufes. Es geht um die unbändige Lust an der Stilisierung und um die Unbarmherzigkeit des Alterns, um große Momente und die Einsamkeit des Ruhms, um den Glamour und um die Frauenfiguren, die das Kino geschaffen hat - kurz um das Kino selbst.

In seiner reflektierten Künstlichkeit liegt auch die schöne Doppelbödigkeit dieses Films. Fanny Ardant, die als Deneuves glutäugige, ganz in Rot getauchte Schwägerin und Femme fatale über die erotische Semiotik des Lebens philosophiert, oder eine bis zur Unkenntlichkeit hinter der eigenen Kratzbürstigkeit verschwundene Isabelle Huppert, die sich als Schwester der Hausherrin in der Rolle der schnippischen alten Jungfer einrichtet - stets lauert hinter der überdrehten Typisierung auch eine Wahrheit über die reale Schauspielerin und ihre spezifische Art, sich durch Kino und Stardasein zu spielen.

Paradoxerweise sind es gerade die von François Ozon liebevoll choreografierten Songszenen, mit denen die Künstlichkeit auf die Spitze getrieben, die jeweilige Figur in die Abstraktion der Filmgeschichte überführt wird, aber auch die wirkliche Persönlichkeit am deutlichsten in Erscheinung tritt. Wenn sich die naseweise Ludivine Sagnier mit einem Lied über den lieben Papa vor ihre älteren Kolleginnen schiebt, dann erzählt sie damit auch etwas über das eigene Vortasten in die französische Filmlandschaft. Wenn sich Ardant in einem perfekt dahingeworfenen Showauftritt lasziv den Handschuh vom Arm streift und vom Leben als Verausgabung singt, dann schwingt nicht nur Rita Hayworths Gilda mit, sondern auch die junge Schauspielerin, die sich in den Filmen von François Truffaut als Inbegriff des vorbehaltlosen, ungestümen Begehrens präsentierte. Und Deneuve? Sie singt von den Männern, die ihr Pelze, Schmuck und Autos schenken, von den vielen, die zu ihren Füßen liegen und von dem einen, der das alles nicht tut und nach dem sie sich vergeblich sehnt. In den zaghaften Tanzbewegungen ihres Auftritts bekommt die Arbeit am eigenen Bild plötzlich etwas Rührendes, und es entsteht ein unbestimmter Rest, eine leise Ahnung von der diffusen Beziehung zwischen Einsamkeit und Glamourproduktion.