die zeit: Mister Johnson, Sie haben ...

Philip Johnson: Sagen Sie nicht Mister, sagen Sie ruhig Herr. Mein Deutsch ist zwar arg eingerostet, aber mir gefällt Ihre Sprache noch genauso gut wie vor 80 Jahren. Damals bin ich recht oft nach Berlin gereist, ich war ganz versessen auf Ihr Land.

zeit: Was faszinierte Sie denn so sehr?

Johnson: Meine Neugierde ist wohl durch Nietzsche geweckt worden. Den habe ich schon bewundert, als ich noch Philosophie studierte. Seither ist er mein Lieblingsdenker. Doch viel mehr noch begeisterten mich das Bauhaus und die vielen Architekten, die sich vorgenommen hatten, mit der Geschichte Schluss zu machen und etwas ganz Neues aufzubauen. Ich ließ mich anstecken von dieser Radikalität, dem Feuer in den Köpfen. Für mich öffnete sich in den Bauten dieser Architekten, in ihren weißen, hellen, nackten Kisten eine unbekannte Welt. Die hatte nichts mehr mit dem Mief der Vorzeit zu tun. Die Last der Ornamente, das Elend des 19. Jahrhunderts wurde einfach abgeschüttelt.

zeit: Und heute? Wie gefällt Ihnen die deutsche Architektur?

Johnson: Hitler, der Krieg, der wirtschaftliche Zusammenbruch - das alles hat den Deutschen ihr Selbstvertrauen genommen. Keiner von ihnen spielt in der Weltliga der Architekten. Sie sind viel zu sehr darauf bedacht, alles ganz richtig zu machen, bloß nicht zu sehr aufzufallen. Natürlich kann bei so einer Haltung keine große Architektur entstehen. Man muss sich doch nur Berlin ansehen, was da in den letzten Jahren gebaut worden ist - schauderhaft. Fast alle diese Bauten erzählen von der Angst, Berlin ist eine Stadt der Angst. Das letzte Mal, als ich dort war, konnte ich es kaum ertragen - so viel Langeweile, so viel Unfreiheit.

zeit: Das Bürohaus, das Sie selbst in Berlin gebaut haben, ist aber auch nicht gerade ein Ausbund an Lebendigkeit.