Irgendwas mit Medien" - diesen Halbsatz bekommt Bernd Velhagen immer wieder zu hören. Velhagen ist Berater im Hochschulteam des Kölner Arbeitsamts und zeigt jungen Menschen, welche Wege in die Medienbranche führen. Dabei wissen die hoffnungsvollen Medienmacher von morgen meist gar nicht, wohin sie eigentlich wollen. Viva-Moderator? Kameramann? Webmaster? Werbung? "Aber das darf man ihnen nicht zum Vorwurf machen", sagt der Berater. Es gibt eine so große Vielfalt an Positionsbezeichnungen, da muss es zu Verwirrung kommen."

Mit der Multimedia-Welle kam es zu einer Inflation an Berufsbildern und Berufsbezeichnungen. Viele Ausbildungspläne und Curricula wurden neu ausgerichtet. Es gibt neue Berufsbilder in der dualen Ausbildung, viele Hochschulen haben Studiengänge auf Multimedia getrimmt, und daneben gibt es rund 1000 Träger verschiedenster Aus- und Weiterbildungsangebote, darunter private Akademien, aber auch kirchliche oder gewerkschaftliche Bildungswerke.

Auf der Website von AIM (www.aim-mia.de), einem Koordinationszentrum für Ausbildung in den Medienberufen, finden sich allein 174 Berufsbeschreibungen für "Irgendwas mit Medien" - vom Screendesigner und dem Kameraassistenten über den Infografiker bis zum Location-Scout. 26 Institutionen aus Nordrhein-Westfalen - darunter Rundfunkanstalten, Gewerkschaften und Schulen - haben AIM die Aufgabe gestellt, endlich für mehr Überblick auf dem Markt für Aus- und Weiterbildung zu sorgen.

Eines der Ergebnisse ist das so genannte Medien-Informations-Archiv, das versucht, sämtliche Medienberufe aufzulisten - von A wie Animator bis Ü wie Übertragungstechniker. Dazwischen finden sich unter anderem der 3D-Operator, der EB-Cutter und der Multimedia-Konzeptioner. Nicht zu vergessen der Journalist und der Pyrotechniker.

Halbwegs übersichtlich ist dagegen noch die Zahl der neuen dualen Ausbildungen. Zwölf neue Medienberufe wurden seit Mitte der neunziger Jahre anerkannt. Am beliebtesten ist die Ausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien. 5300 Azubis zählte das Bundesinstitut für Berufsbildung 2001 in dieser Sparte. Mediengestalter übernehmen im Wesentlichen die Tätigkeiten, die früher Reprografen, Schriftsetzer, Druck- und Werbevorlagenhersteller erledigten, sind aber auch für Websites oder CD-ROMs zuständig. Die Ausbildung ist so gefragt, dass Azubis sich schon beschweren, sie werde zum Volkssport. Andere neue Ausbildungsberufe wie der Film- und Videoeditor haben sich dagegen nicht durchgesetzt. Die meisten Unternehmen schulen ihre Cutter weiterhin intern.

Bei den Studiengängen ist der Überblick schon schwieriger. Die AIM-Datenbank kennt bundesweit 473 Studienangebote. Allein im Multimedia-Bereich zählt der Deutsche Multimedia-Verband (DMMV) 136 Studiengänge. Tendenz: weiterhin steigend.

Noch trendiger klingen die Titel, die private Akademien anbieten: Wer ein paar tausend Euro investiert, kann zum Beispiel "Bachelor of Arts in Recording Arts" werden oder sich zum "Diplom-Multimedia-Producer" ausbilden lassen. Oder ein "Audio-Engineering-Diplom", den "Bachelor of Media Management" oder ein "Grafix- & Animations-Zertifikat" erhalten. Die Akademien haben oft mehrere Filialen über Deutschland verteilt und bieten Weiterbildungen und Umschulungen an.