ZEIT-Grafik

Es war eine reiche Ernte für die Windbauern: Bei steifer Brise deckten Schleswig-Holsteins 2300 Windräder im Februar 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im nördlichsten Bundesland. Absolute Spitze war der 26. Februar. Da machte der Windgott besonders dicke Backen und brauste bis zu 1150 Megawatt - das entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks - ins Stromnetz. Doch der 26. Februar brachte auch einen technisch höchst unerfreulichen Rekord: Abends sackte die Windenergie-Ausbeute plötzlich fast auf Null. Der Sturm wuchs zum Orkan, aus Sicherheitsgründen schalteten fast alle Windräder rasch auf Durchzug - und demonstrierten damit drastisch das Problem eines wachsenden Windenergieanteils an der Stromversorgung. Noch liegt er bundesweit erst bei knapp drei Prozent, doch nach den Plänen der Bundesregierung soll er schon 2010 auf 12,5 Prozent ansteigen. Und weitere 15 Jahre später sollen gewaltige Windparks in Nord- und Ostsee 20 bis 25 Gigawatt Energie liefern - fast ein Viertel des gesamten Bedarfs in Deutschland.

Kritiker halten eine so hohe Abhängigkeit von den Launen des Wetters für gefährlichen ökonomischen und obendrein auch ökologischen Unsinn. Dann müssten nämlich konventionelle Kraftwerke in gleicher Größenordnung ständig einsatzbereit sein, um die Stromversorgung bei Flauten oder Orkan sicherzustellen. Der in hohen Mengen fernab auf hoher See erzeugte Windstrom muss zudem weit fließen, bis er tief im Land die Großverbraucher erreicht. Das produziert hohe Leitungsverluste. Deshalb dauert es vermutlich durchschnittlich 20 Jahre, bis eine Windkraftanlage wieder soviel Nutzenergie erzeugt hat, wie für ihren Aufbau verbraucht wurde.

Milliardenschwerer Streit