Typisch für das aus manch runzliger Perspektive halbseidene Genre des Kriminalromans: Nicht die wohlbestallten Literaturwissenschaftler, sondern die Fans und die Autoren (die größten Fans ihrer selbst) erarbeiten die Sekundärliteratur. Als jüngster Beweis für Gediegenheit und gewachsene Größe der deutschsprachigen Kriminalliteratur kann A. Jockers, R. Jahn: Lexikon der deutschsprachigen Krimi-Autoren (Verlag der Crimina-le (BoD)

buch & medi@, München 2002

292 S., 24,- e) gelten. Das als book on demand günstig kalkulierbare und rasch aktualisierbare Autorenlexikon beruht auf der Internet-Datenbank des Autors Reinhard Jahn, bekannt auch als H. P. Karr, und den Selbstauskünften von rund 460 Autoren. Strikt alphabetisch nach Namen gegliedert, bietet das Lexikon verdienstvoll Einblick in die frühe Geschichte deutscher Kriminalliteratur: Zu fast schon vergessenen Autoren wie Frank Arnau (

1894 in Wien), Henry Kolarz (

1927 Berlin) oder Norbert Jacques (

1880 in Luxemburg), den Erfinder des dämonischen Dr. Mabuse, sind wie über alle anderen knappe biografische Daten, Buchveröffentlichungen, aber auch Filme und Radiobeiträge aufgeführt - Informationen, die den üblichen Umfang von Lexikoneinträgen weit übersteigen. Pseudonyme, sofern bekannt oder veröffentlicht, sind entschlüsselt, auch wenn hier Grenzen deutlich werden: dass Doris Gercke neuerdings auch als Marie-Jo Morell Romane ohne Bella Block verfasst oder der Hamburger Ronald Gutberlet alias Robert Brack sich auch seit Jahren als Virginia Doyle kostümiert, müsste ergänzt werden. Doch das sind Nebensachen, wenn die Fans etwa mit allen Autoren, die je Jerry Cotton waren, verwöhnt werden oder auch mit DDR-Krimischreibern, die immer noch zu wenig bekannt sind.

Während derzeit Sammelbibliografien wie die Walkhoff-Jordans Zur deutschen Kriminalliteratur 1945-1984 nur höchst selten noch antiquarisch zu erwerben sind (mein Exemplar wurde aus Helsinki importiert), gibt es seit Ende letzten Jahres Dieter Kästners Bibliographie der Kriminalerzählungen 1948- 2000 (Baskerville Bücher, Köln 2001

627 S., 49,90 e), die mit rund 11 000 Einträgen, Originaltitelverzeichnis, Detektivregister und Liste aller Anthologien und Sammelbände ein unverzichtbares Standardwerk für jeden Sammler von Kriminalstorys ist.

Weniger bekannten Krimizonen hat die Literaturzeitschrift die horen einen Band gewidmet: Dieter P. Meier-Lenz (Hrsg.): Von der Menschenjagd und der Emanzipation des Bösen (Band 204, Verlag für Neue Wissenschaft, Bremerhaven, 2001

284 S., 12,- e). Neben diversen Kriminaltexten deutscher Autoren enthält der horen-Band instruktive Informationen zur finnischen Krimiszene, die zu Unrecht hinter den schwedischen Gardinen Mankells verborgen ist, sowie kritische Aufsätze, die etwa am Boom des Serienkillermotivs pessimistisch erkennen, dass "das Böse den archaischen Charme totaler Versuchung zurückerobert".

Vom Charme des Mordens in der Eifel handelt T. Przybilka, G. Lehmer-Kerkloh, A. Ixfeld: Siggi Baumeister oder Eine Verfolgung quer durch die Eifel (Nordpark Verlag, Wuppertal 2001

82 S., 10,50 e). Im ersten Band einer Reihe mit "KrimiKritik" beschäftigen sich Przybilka und Co. mit dem Auflagenmillionär Jacques Berndorf eher freundschaftlich rubrizierend als kritisch. So werden als Erfolgsgeheimnisse seiner Eifel-Krimis die Genauigkeit der Landschaftsbeschreibung und die liebevolle Darstellung von Katzenviechern herausgearbeitet. Eine Auswahlbibliografie und Inhaltsangaben der einzelnen Berndorf-Titel ergänzen die Betrachtungen.

Weitere Informationen im Internet:

www.zeit.de/krimiszene