Woran misst man den Designchef eines Autokonzerns? Geht es danach, wie begehrt die Fahrzeuge der Marke bisher sind, dann ist Chris Bangle von BMW Spitze. Geht es nach der öffentlichen Kritik am jüngsten Modell, dann gehört Bangle in die Ecke gestellt: Nie zuvor wurde in Deutschland ein neues Auto so verrissen wie der 7er-BMW. Seit das Spitzenmodell der Bayern vergangenen Herbst auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt präsentiert wurde, reißt die Mäkelei an dessen eigenwilliger Form nicht ab. Und in diesen Tagen sorgt der ungewöhnlich kurvenreich gestylte Sportwagen Z4, der demnächst auf den Markt kommt, schon wieder für Diskussionsstoff.

Geht der Mann jetzt in Sack und Asche? Mitnichten. "Positive und negative Rückmeldungen gehören zum Leben eines Designers", sagt der 46jährige Amerikaner im Münchner BMW-Forschungs- und Innovationszentrum FIZ. Locker, selbstbewusst, temperamentvoll und ruhig zugleich erläutert Chris Bangle, was er für die Aufgabe eines car designer oder genauer eines design manager hält.

Sein Job sei es, seinen "Künstlern" in München und Kalifornien den nötigen kreativen Freiraum zu schaffen, im Konflikt zwischen den pragmatischen Anforderungen des Unternehmens und der künstlerischen Leidenschaft zu vermitteln. Technisch und qualitativ werden sich die Autos auf der Welt immer ähnlicher. Umso wichtiger werde das Image einer Marke, betonen Vordenker wie der ehemalige Entwicklungschef Wolfgang Reitzle. Deshalb wird der Faktor Design immer wichtiger.

Sie kennen ihren Wert, die Autodesigner. Als Künstler fühlen sie sich alle, Chris Bangle inklusive. Aber die Kreativität ist limitiert: "Dies sind nicht die Universal Studios, und ich bin nicht Steven Spielberg. Dies sind die Bayerischen Motorenwerke, und ich bin als Bereichsleiter für Design zuständig." Und damit über seine Rolle erst gar keine Missverständnisse aufkommen: "This is not a question of Handschrift, es geht um die Umsetzung der Werte der Marke BMW", sagt er im typischen Bangle-Idiom, in dem sich deutsche und englische Sprachbilder durchmischen. BMW stehe für Sportlichkeit, Dynamik, Luxus und Präsenz - einen unverwechselbaren Charakter eben.

Natürlich sei die Optik des 7ers ein Designsprung, aber "wir wollten den jump". Eine Gewöhnungsphase ist einkalkuliert: "Wir waren uns bewusst, dass wir damit der Herde (der übrigen Automarken) weit voraus sind." Viele bahnbrechende Innovationen der Autogeschichte seien erst mal strange gewesen - die ersten Schrägheckautos, die ersten Spoiler ... Es gehe ihm weniger um Schönheit als um Charakter. "Design, das aus einer funktionalen Begründung geboren wird, ist beständiger als solches, das einer Modeströmung entspringt." Bescheidenheit klingt anders.

Wie wichtig das neue Flaggschiff mit seiner "progessiven Formensprache" für den Kurs der Marke ist, machte der damalige BMW-Chef Joachim Milberg bei der Vorstellung deutlich: "Der neue 7er verkörpert für die BMW Group den Aufbruch in eine neue Ära des Automobils. Und er verkörpert den Führungsanspruch der BMW Group." Große Worte.

Doch was die BMW-Strategen so mutig in die Welt hinausposaunten, fand ein verheerendes Echo. Gestandene Kreativkräfte der Konkurrenz durchbrachen reihenweise den Komment, nach dem öffentliche Kollegenschelte tabu ist.