Die Forscher nahmen ihre Bodenproben dort, wo die Flüsse Innerste und Oker regelmäßig das Land überschwemmen. Im Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen suchten sie nach giftigen Schwermetallen: Cadmium, Blei, Kupfer und Zink. Die Ergebnisse veranlassen Projektleiter Hans Ruppert zu einem harten Satz: "Die Auenbereiche der Flüsse sind teilweise so stark kontaminiert, dass diese Flächen für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion nicht mehr genutzt werden sollten."

Wer so spricht, kann sich anderntags in der Regel über eine Tankladung Gülle oder eine Fuhre Mist vor der Tür freuen: Landwirte finden es gar nicht lustig, wenn jemand ihre Lebensgrundlage infrage stellt.

Im betroffenen Landkreis Goslar trifft der streitbare Professor nur auf magere Gegenwehr: Ganz so schlimm sei die Lage erstens nicht, wiegelt Kreisrat Claus Jähner ab, zweitens seien Maßnahmen ergriffen worden, wo drittens anderswo nichts getan werde.

In allen drei Punkten hat Jähner Recht: Erstens fällt niemand tot um, wenn er Lebensmittel von den Äckern des Landkreises isst. Zweitens hat die Kreisverwaltung als bundesweit erste ein so genanntes Bodenplanungsgebiet für die betroffenen Areale eingerichtet und kann nun bei der Nutzung der Flächen mitreden, etwa den Anbau von bestimmten Pflanzen verbieten. Drittens gibt es eine Vielzahl von Äckern in Deutschland, die durch Schwermetalle und andere Gifte belastet sind, ohne dass eine Behörde eingreifen würde - allein in Niedersachsen sind etwa 22 000 Hektar betroffen.

Der Verbraucher ist ahnungslos. Da es keine Kennzeichnungspflicht für Feldfrüchte aus belasteten Gebieten oder gar regelmäßige Kontrollen gibt, weiß niemand, ob sein Endiviensalat zu viel Blei und Cadmium oder die Milch Methylquecksilber enthält. Auch Spuren von Arzneimitteln könnten in manchen Früchten nachgewiesen werden. Sie gelangen, eine Untersuchung aus Brandenburg legt diesen Verdacht nahe, mit dem Schlamm aus Kläranlagen auf die Äcker.

Frank Glante, im Umweltbundesamt (UBA) zuständig für Bodenzustand, -funktionen und -nutzung, wüsste gern mehr. Glante ist mit der Einrichtung eines bundesweiten "Bodeninformationssystems" betraut. Doch bisher fehlen ihm schlicht die Daten. Die Anwendung des Bodenschutzgesetzes von 1998 ist Sache der Länder, und die gerieren sich wie die von Belastungen betroffenen Landkreise nicht gern als Nestbeschmutzer.

Glante holt eine große Mappe hervor, in der die Schwermetallbelastungen der Böden Sachsens dokumentiert sind. Die Datenlage aus den Ländern Sachsen und Niedersachsen ist recht gut. Denn anders als andernorts sind hier nicht landwirtschaftliche Behörden mit dem Informationsmanagement betraut, sondern das sächsische Landesamt für Geologie und Umwelt beziehungsweise das an das Wirtschaftsministerium angegliederte Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung.