Er hatte bereits eine kleine Sonderauktion zum 300. Thronjubiläum Preußens im vergangenen Jahr in der Villa Grisebach betreut und schreibt derzeit das Vorwort für den Katalog von Christie's (www.cristies.com). Etwa zehn Prozent des Preußen-Hausstandes, schätzen Experten, könnten für Museen interessant sein, darunter 33 Silberteller, die Friedrich der Große um 1750 bei dem berühmten Berliner Goldschmied Christian Lieberkühn in Auftrag gegeben hatte.

Elf so genannte silberne Wärmeglocken gehören ebenfalls zu den besonders aufwändig und schön gearbeiteten Silberstücken aus Lieberkühns Werkstatt. Sie werden einzeln oder paarweise angeboten. Die Taxpreise stehen noch nicht fest.

Kuriosa dürfen bei einer solchen Auktion auch nicht fehlen: so etwa ein kleines, mit dem preußischen Adler dekoriertes Porzellantablett um 1900, als Ablage für die kaiserliche Zahnbürste von Villeroy & Boch. Während der Siebenjährige Krieg tobte, wurden an der Tafel Friedrichs des Großen Gesottenes und gebratenes Federvieh stilsicher mit silbernem Vorlegbesteck mit Griffen in eleganter "Pistolenform" tranchiert. Vier solche Gabeln und zwei Messer stehen ebenfalls in London zum Verkauf.

Ob nun Schmückendes und Geschmackvolles für Tisch und Tafel, wie das 1881 vom preußischen Staat geschenkte Silberservice anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Wilhelm und seiner Braut Auguste Viktoria, der Tochter des Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, oder Memorabilia wie Zigarettendose und Anzünder oder eine Regatta-Trophäe von den kaiserlichen Yachten Meteor und Iduna - in jedem Fall werden Glanz und Gloria der Preußen auch auf bescheidenere Stücke abfärben.

Vielleicht erwärmt sich jemand von der Kieler Förde für Teile des 48-teiligen kaiserlichen Bordgeschirrs der Iduna mit den Initialen KYC (Kieler Yacht Club). Ob es dann allerdings die besonderen Qualitäten der "Staatlichkeit Preußens" sein werden, die Sebastian Haffner seinem Buch Preußen ohne Legende voranstellt, nämlich "unbestechliche Verwaltung und unabhängige Justiz, religiöse Toleranz und aufgeklärte Bildung", die die Käufer und Souvenirjäger und die Preise beflügeln, mag man bezweifeln. Bei Christie's ist man sich sicher, einen Coup gelandet zu haben, vielleicht auch deshalb, weil Verwandtschaft, und zwar in Person von Johann Georg Prinz von Hohenzollern, im Beraterstab des Hauses tätig ist.