Rheinsberg zur Sommerszeit - das weiße Schlösschen im Spiegel des Sees, wogendes Schilf und das rauschende Grün der Bäume. Stilvoll, heiter-melancholisch, halb Rokoko, halb Romantik, Inbild des anderen Preußen, weit weg von Spießruten und Kanonengebrüll. Rheinsberg an den märkischen Seen nördlich von Berlin - damit verbinden sich die vier glücklichen Kronprinzenjahre Friedrichs II., 1736 bis 1740, damit verbindet sich aber auch Kurt Tucholskys köstliches kleines Bilderbuch für Verliebte von 1912.

Nur an den Mann, der hier fast ein halbes Jahrhundert lang gelebt hat, der Schloss und Park seine heutige Gestalt gegeben hat, an ihn denken wohl die wenigsten der vielen Besucher, die Rheinsberg besichtigen.

Doch das soll sich ändern. Mit einer großen Ausstellung will die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ihn jetzt, zu seinem 200.

Todestag, wieder ins Gedächtnis rufen: den Hausherrn von Rheinsberg, Prinz Heinrich, Bruder Friedrichs II. - in der Tat eine der erstaunlichsten Gestalten des mit bedeutenden Persönlichkeiten nicht gerade gesegneten Hauses Hohenzollern.

Geboren 1726 als dritter Sohn des despotischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und dessen Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover wächst er neben fünf Schwestern und drei Brüdern auf. Über seine Kindheit ist wenig bekannt.

Die Brüder August Wilhelm und Ferdinand sind in Fleisch und Geist echte Hohenzollern. Friedrich und Heinrich hingegen zeigen sich früh hoch begabt und haben ganz ähnliche Interessen. Beide lieben sie die Musik und spielen ein Instrument (Friedrich die Flöte, Heinrich die Geige). Bevor die Prinzen von Lehrern unterrichtet werden, bringen ihnen ihre Mutter und die hugenottischen Kindermädchen die französische Sprache bei, die sie lieben lernen und dem Deutschen ihr Leben lang vorziehen werden. Auch lesen sie begeistert die französische Literatur und verehren mit Inbrunst den großen Voltaire.

Beide Brüder lieben denselben Pagen

Heinrich gehört nicht gerade zu den Günstlingen der Natur. Noch ein ganzes Stück kleiner als der ohnehin nur mittelgroße Friedrich, schielt er und ist auch sonst keine Schönheit zu nennen. Zudem haben die Pocken sein Gesicht gezeichnet. In einem allerdings ist er begünstigt: Als dritter Sohn kann er der Konfrontation mit dem Vater eher ausweichen als der 14 Jahre ältere Bruder. Friedrich trifft der väterliche Wille mit ganzer Wucht. Der tyrannische Soldatenkönig, Schöpfer des preußischen Militär- und Beamtenstaates, fürchtet, der sensible Jüngling werde sein Werk ruinieren. Er misshandelt den Kronprinzen nach allen Regel monarchischer Erziehungskunst und macht ihn früh zu einem menschenfeindlichen Gefühlskrüppel, der sich sein Leben lang in den Zynismus flüchten sollte.

Am 31. Mai 1740 stirbt Friedrich Wilhelm I. endlich, und Friedrich besteigt den Thron. Noch im Dezember desselben Jahres läßt der ehrgeizige junge König seine Armee in das ökonomisch prosperierende Schlesien einmarschieren, das zum habsburgischen Reich gehört - ein Überfall, den der britische Historiker George P. Gooch in seiner bekannten Friedrich-Biografie 1947 als eines der "sensationellsten Verbrechen der neueren Geschichte" bezeichnet hat. Heinrich ist 14 Jahre alt. Friedrich hat ihn kurz zuvor zum Oberst befördert und zum Chef des 35. Infanterieregiments ernannt

in der Schlacht bei Chotusitz, am 17. Mai 1742, erhält der junge Prinz seine "Feuertaufe".

Auch in ihrer Einstellung zu Militär und Krieg ähneln die beiden Brüder einander sehr. Beide verabscheuen sie in jungen Jahren den Kasernenhofdrill.

Doch das eigentliche Kriegshandwerk mit seinen Herausforderungen fasziniert sie auf eine uns heute nur noch schwer begreifliche Weise.

Dem ersten Schlesischen Krieg (von 1740 bis 1742) folgt 1744 der zweite. Im Feldzug von 1744 können die Preußen zunächst Böhmen rasch besetzen. Doch dann rückt die Armee des österreichischen Feldmarschalls Otto Ferdinand Graf von Traun heran - ohne sich der Schlacht zu stellen. Stattdessen bedroht Traun die Nachschublinien der Preußen und zwingt sie durch geschicktes Manövrieren zu einem verlustreichen Rückzug. Es ist diese Strategie, die Heinrich beeindruckt und die ihm eine Lektion fürs Leben ist.

Mit 19 Jahren wird er zum Generalmajor befördert. Doch bleibt er Befehlsempfänger seines Bruders. Für jede Fahrt nach Berlin muss er um Erlaubnis bitten - und oft genug versagt Friedrich sie ihm.

Die Spannungen zwischen den Brüdern in jener Zeit haben allerdings noch einen sehr persönlichen Grund. Beide sind homosexuell, und beide sind in den 1740er Jahren in denselben jungen Mann verliebt, einen Pagen aus dem Geschlecht derer von Marwitz. Der eifersüchtige Friedrich schreibt seinem Bruder Briefe, in denen es von abgefeimten Bosheiten nur so wimmelt. So versucht er, Heinrich den jungen Marwitz, bei dem er selbst offenbar chancenlos ist, schlecht zu machen: Der habe, warnt der König höhnisch in einem Brief vom 9.

März 1746, "den Tripper und fleischige Schultern".

Im Übrigen empfindet Friedrich gegen all seine Brüder tiefes Misstrauen. In seinem Politischen Testament von 1752 zielt er denn auch ganz auf sie, wenn er schreibt: "Es gibt eine Art von Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind und sich bisweilen sehr schwer regieren lassen. Das sind die Prinzen von Geblüt. Ihre hohe Abstammung flößt ihnen einen gewissen Hochmut ein, den sie Adel nennen. [...] Sind irgendwelche Intrigen, Kabalen und Ränke zu befürchten, von ihnen könnten sie ausgehen. In Preußen haben sie weniger Macht als irgendwo sonst. Aber das beste Verfahren ihnen gegenüber besteht darin, daß man den ersten, der die Fahne der Unabhängigkeit erhebt, energisch in seine Schranken weist, alle mit der ihrer hohen Herkunft gebührenden Auszeichnung behandelt, sie mit allen äußeren Ehren überhäuft, von den Staatsgeschäften aber fernhält und ihnen nur bei genügender Sicherheit ein militärisches Kommando anvertraut ..."

1752 heiratet Heinrich - einerseits, weil er von Friedrich unter Druck gesetzt worden ist, andererseits, weil er nur so selbstständig werden kann.

Seine Gemahlin Wilhelmine von Hessen-Kassel ist eine bildhübsche Frau, in der Hofgesellschaft nur "die schöne Fee" oder "die Göttliche" genannt. Ihre Reize verfangen freilich bei Heinrich nicht: "Sie stört, langweilt mich und bringt mich schon im Voraus zum Gähnen." Ganz wie Friedrich trennt er später den eigenen Haushalt von dem seiner Frau, die seit 1760 meist in dem Berliner Wohnsitz des Prinzen lebt, einem stattlichen Palais Unter den Linden, das der König für ihn hat bauen lassen und in dem heute die Humboldt-Universität residiert.

Als verheirateter Junggeselle, umgeben von allerlei hübschen und geistvollen Favoriten, lebt der Prinz meist in Rheinsberg. Bereits 1744 hat Friedrich dem Jüngeren das Schloss geschenkt, ihm allerdings noch keine freie Verfügung darüber eingeräumt. Doch Heinrich ist entschlossen, sich hier ein Domizil zu schaffen, in dem er frei sein würde, zugleich einen Musenhof, an dem er geistesverwandte Freunde und Gäste um sich scharen kann, und nicht zuletzt einen Ort für seine Studien.

So verfasst der Prinz 1753 unter dem Pseudonym Maréchal Gessler eine bemerkenswerte Denkschrift. Darin listet er die Fehler auf, die Friedrich in den Schlesischen Kriegen gemacht hat. Nicht dem Genie des Königs, lautet Heinrichs Fazit, sondern allein der Tapferkeit der preußischen Soldaten sei der Sieg zu verdanken. Gleichzeitig fordert er eine außenpolitische Neuorientierung, hin zu einem Bündnis mit Frankreich.

Die von Heinrich gewünschte Allianz kommt allerdings nicht zustande. Vielmehr schließen Österreich, Russland und Frankreich ein Bündnis, dessen Spitze sich gegen Preußen richtet. Friedrich II. fühlt sich eingekreist und beginnt 1756 mit einem Überfall auf Sachsen den nächsten Krieg. In dessen siebenjährigem Verlauf sollte sich Heinrich zu einem Feldherrn entwickeln, der Friedrich ebenbürtig ist.

Der König liebt das Risiko, das überraschende Manöver, den Bluff - eine "Strategie", die ihm wie einem Spieler am Kartentisch glänzende Siege, aber auch verheerende Niederlagen einbringt. Selbst in den Schlachten, in denen er siegt, sind die eigenen Verluste mitunter höher als die der Gegner. Heinrich hingegen folgt, eingedenk der Erfahrungen im zweiten Schlesischen Krieg, einer methodischen kräfteschonenden Strategie. 1757 wird er Oberbefehlshaber der preußischen Truppen in Sachsen, später kämpft er gegen die Franzosen und Russen - hinhaltend und so geschickt, dass er von Freund und Feind allgemein "Hexenmeister der Verteidigung" genannt wird.

Im November 1759 befiehlt Friedrich dem Korps des Generals Friedrich August von Finck einen riskanten Vorstoß, der bei dem Städtchen Maxen bei Pirna in einem Debakel (dem "Finckenfang") endet: 14 000 preußische Soldaten geraten in österreichische Gefangenschaft. Heinrich hatte entschieden vor diesem Vabanque-Zug gewarnt. Jetzt notiert er auf einem Bericht Friedrichs: "Der König hat uns in diesen grausamen Krieg gestürzt und nur der Mut der Generale und Soldaten kann uns wieder herausreißen. Seit dem Tage, an dem er zu meiner Armee gestoßen ist, hat er Unordnung und Unglück angerichtet. Alle meine Anstrengungen in diesem Feldzug und das Glück, das mich unterstützt hat, alles ist verloren durch Friedrich."

Seit 1761 ist der Prinz wieder Oberbefehlshaber in Sachsen, zuständig auch für die Verwaltung des besetzten Landes und bemüht, die Bevölkerung human zu behandeln. Im Winter 1761/62 serviert der König ihn kurzerhand ab, wegen "fehlgeleiteter Nachsicht mit den Sachsen". Statt seiner setzt Friedrich ein Direktorium von drei zivilen Kommissaren ein. "Der König", notiert Heinrich in bitterer Schärfe, "hat drei Schurken hierher gesandt, um die Ausplünderung Sachsens zu vollenden."

1762, nach dem Tod der Zarin Elisabeth, scheidet Russland aus dem Krieg aus

Preußen ist aus seiner inzwischen hoffnungslos erscheinenden Lage gerettet.

Noch einmal, im Oktober desselben Jahres, siegt Heinrich bei Freiberg über die Reichsarmee und österreichische Truppen

es sollte die letzte Schlacht des Krieges sein. Kurz darauf gibt Friedrich seinen Generalen ein Bankett und verteilt Lob und noch mehr Tadel, übt auch Selbstkritik. Zum Schluss sagt er, sich Heinrich zuwendend: "Lassen Sie uns nun, meine Herren, unser Glas leeren auf das Wohl des einzigen Generals, der während des ganzen Krieges nicht einen einzigen Fehler gemacht hat ... Auf Dein Wohl, mein Bruder!"

Heinrich zieht sich zurück. Er bleibt zwar Chef eines Regiments, de facto aber ist er seit seinem 37. Lebensjahr ein General im Ruhestand. Das Verhältnis zwischen Friedrich - den man nun schon den "Großen" zu nennen beginnt - und ihm ändert sich nicht: In politischen und militärischen Dingen stimmen sie oft überein, persönlich jedoch kommen sie nie mehr zueinander.

Ja, Heinrich beginnt den Zyniker Friedrich zu hassen, während jener voller Misstrauen und Antipathie auf seinen jüngeren Bruder sieht, der ihm in vielem so ähnlich ist.

Wollen die Amerikaner Heinrich zu ihrem Staatschef machen?

Im April 1764 kommt es zu einem Zwischenfall, der ein Licht auf das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern wirft: Während einer Truppenparade in Berlin, einer so genannten Revue, verweigert Heinrich dem König die übliche Ehrenbezeugung. Friedrich ist über diesen Affront in Gegenwart zahlreicher Offiziere und Soldaten so verärgert, dass er ein ganzes Jahr lang nicht mehr mit seinem Bruder spricht ...

Zur selben Zeit erscheint in Potsdam eine polnische Delegation unter Führung des Fürsten Andreas Mokranowski. Sie hat vor, Heinrich die polnische Krone anzutragen (August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, war im Oktober 1763 gestorben). Zarin Katharina allerdings plant, ihren Günstling Stanislaus Poniatowski auf den polnischen Thron zu hieven, und Friedrich, der davon weiß, will unbedingt einen Konflikt mit Russland vermeiden. Er verbietet deshalb den Polen, Heinrich auch nur aufzusuchen. Vor seinem Bruder hält er die Angelegenheit geheim, und dieser erfährt erst Jahre später davon.

Doch Heinrich macht sich nun auch nach außen hin selbstständig. Von Oktober 1770 bis Januar 1771 unternimmt er eine Reise nach Russland

heimlich hat er sich um die Einladung bemüht. In Sankt Petersburg verstehen sich der männerliebende Prinz und die Männerkennerin Katharina ausgezeichnet. Fast täglich debattieren sie über Kunst, Philosophie und Wissenschaften - und Politik. Zeitweise spukt durch den Kopf der Zarin das Projekt, tief im Süden, zwischen Moldau und Walachei, für Heinrich ein Königreich zu errichten. Kurz: Es wird eine Freundschaft fürs Leben, und noch viele Jahre später wechseln der Prinz und die Kaiserin gehaltvolle und herzliche Briefe.

Der wahre, geheime Grund für die Reise aber ist die Lage Polens gewesen.

Warum soll man das Land nicht unter sich aufteilen? Heinrich will Preußen arrondiert sehen, Ostpreußen mit dem Kernland territorial verbunden - nicht jedoch will er die Zerschlagung des polnischen Staates. So sehr er für die erste Teilung Polens plädiert, so vehement widersetzt er sich später der zweiten und dritten.

Nach seiner Rückkehr beginnt er Rheinsberg weiter auszubauen. Gäste sind willkommen, gekrönte Häupter darunter, wie Gustav III. von Schweden. 1774 entsteht ein französisches Theater, wo fortan zweimal in der Woche gespielt wird, Voltaire und Marivaux und die Opern von Gluck. Der französischen Literatur ist Heinrich treu geblieben, Frankreich nach wie vor das Land seiner Träume, und 1784 reist er tatsächlich westwärts. Ludwig XVI. empfängt ihn in Versailles

in Paris genießt der Prinz Theater und Salons, spricht mit Künstlern und Gelehrten. Der Abschied fällt schwer.

1786 stirbt Friedrich II. nach 46-jähriger Regentschaft. Nachfolger wird sein Neffe, Sohn des Bruders August Wilhelm: Friedrich Wilhelm II. Der dickliche Monarch, ein egozentrischer Faulpelz und lebensdurstiger Schürzenjäger, gerät bald unter den Einfluss einer reaktionären Hofkamarilla. Günstlinge wie Johann Christoph Wöllner und Johann Rudolf von Bischoffwerder sorgen dafür, dass Heinrich, der stets gehofft hat, Einfluss auf die Staatsgeschäfte zu gewinnen, auch weiterhin von allen politischen Entscheidungen ausgeschlossen bleibt.

Da erhält der Prinz Anfang 1787 einen Brief aus Amerika, aus den gerade erst im Entstehen begriffenen Vereinigten Staaten. Friedrich Wilhelm von Steuben, der Generalinspekteur der US-Armee im Unabhängigkeitskrieg, hatte einst unter Heinrich gedient. Er deutet an, es gebe in Amerika Bestrebungen, eine Verfassung nach englischem Vorbild einzuführen, und fragt, ob Heinrich bereit sei, als König oder Erbstatthalter das Amt eines Staatsoberhauptes zu übernehmen. Heinrich, höchst geschmeichelt, lässt es in seiner diplomatisch formulierten Antwort offen, ob er ein entsprechendes Angebot annehmen würde.

Von Oktober 1788 bis März 1789 geht es jedenfall erst einmal wieder nach Paris. Bei der Begrüßung in Paris preist der Rektor des Lycée den verstorbenen Friedrich II. als weisen Monarchen, der Aufklärung und dem Fortschritt verpflichtet. Und in Heinrich, so fährt er fort, begrüße er einen grand homme, einen großen Menschen, für den es nur eines Thrones bedurft hätte, um Friedrich ebenbürtig zu werden.

Wenige Monate nach Heinrichs Abreise beginnt die Französische Revolution, und der Sturmwind erfasst ganz Europa. Auch der Prinz bringt ihr viel Sympathie entgegen

den Kreuzzug der europäischen Großmächte gegen das revolutionäre Frankreich lehnt er strikt ab. Den Regierenden in Potsdam, denen es inzwischen gelungen ist, die kurze Blüte der friderizianischen Aufklärung fast gänzlich zu ersticken, gilt er nun als "Jakobiner" - ein Fall für die Spitzel der Polizei.

Erst 1795 erlangt Heinrich vorübergehend politischen Einfluss, nachdem die Intervention der alten Mächte in Frankreich endgültig gescheitert ist. Am Zustandekommen des Basler Sonderfriedens zwischen Preußen und Frankreich ist er maßgeblich beteiligt. In immer neuen Denkschriften hatte er zuvor den König eindringlich beschworen, aus dem Krieg auszuscheiden, gleichzeitig die französischen Unterhändler, die in Rheinsberg bei ihm vorsprachen, mit Informationen versorgt und beraten. Im Unterschied zum König und seinen Einflüsterern sieht er die Neutralitätspolitik Preußens nur als Vorstufe eines Bündnisses mit Frankreich an.

1797 war Friedrich Wilhelm II. in der Obhut einer Gespielin verschieden. Und obwohl Heinrich nicht von der Politik lassen kann und wieder einmal auf Mitsprache hofft, spürt er nun doch, dass er sich selbst historisch zu werden beginnt. Bereits 1791 hatte er im Rheinsberger Park einen Obelisken errichten lassen, gewidmet August Wilhelm, dem Bruder, der von Friedrich schimpflich aus der Armee ausgestoßen worden war. Dazu sind auf 28 Medaillons die Helden des Siebenjährigen Krieges dargestellt: Schwerin, Seydlitz, Zieten, nicht jedoch Friedrich selbst. Auch dem schon 1759 dahingegangenen Marwitz, dem geliebten Freund der Jugendtage, ist ein Medaillon geweiht.

Am 3. August 1802 stirbt Prinz Heinrich von Preußen. Er wird im Park von Rheinsberg in einer Backsteinpyramide beigesetzt, die er sich einige Monate zuvor hatte errichten lassen. Vier Jahre nach seinem Tode bricht der von Vater und Bruder geprägte altpreußische Staat unter den Schlägen Napoleons zusammen.

In seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg wünscht sich Theodor Fontane, dass dem "klugen, geistvollen Prinzen" endlich Gerechtigkeit und Anerkennung widerfahre. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Der Kosmopolit, der liberale, auf Ausgleich bedachte Politiker fügte sich nur schwer in das Selbstbild des preußischen Obrigkeitsstaates. Die Begeisterung des Prinzen für alles Französische schließlich machte ihn den Nationalisten verdächtig. Und seine vorsichtige Kriegsführung, hohe Verluste vermeidend und die Zivilbevölkerung schonend, galt den deutschen Militärs, die mittlerweile im Weltmachtwahn von der "Vernichtungsschlacht" träumten, als gänzlich überholt.

So wurde Friedrich "der Große" in Deutschland zum Heros zweier mörderischer Weltkriege, sein Bruder aber sank in Vergessenheit. Zeit also, sich seiner zu erinnern, denn besser als der König von Preußen passt er zum heutigen Europa: der König von Rheinsberg.

Der Autor ist Historiker und Publizist und lebt in Jena

Die Ausstellung "Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg" wird vom 4. August bis zum 27. Oktober in Schloss Rheinsberg gezeigt (Tel.

033931/72 60). Der prachtvolle Katalog (redigiert von Jörg Meiner) ist im Deutschen Kunstverlag erschienen (594 S., 48,- e bzw. 78,- e im Buchhandel)