Die Korruptionsvorwürfe waren schwerwiegend, aber sollte man James A.

Traficant Jr. dafür wirklich aus dem US-Repräsentantenhaus werfen?

Schließlich wäre es erst der fünfte Ausschluss in der Geschichte Amerikas: 1861 mussten drei Abgeordnete wegen Landesverrats gehen

1982 verlor ein Demokrat seinen Posten wegen Bestechlichkeit

und jetzt Traficant?

In der ZEIT-Ausgabe 27/02 hatte Gregor Hens über den extravaganten Abgeordneten aus Ohio berichtet. Der hatte seine Karriere als Sheriff im Städtchen Youngstown begonnen, sich mit Gangstern eingelassen, Bestechungsgelder kassiert - die Liste der Vergehen setzt sich fort. Damals, bei der ersten Anklage, nahm Traficant sich vor Gericht selbst ins Kreuzverhör. Die Geschworenen sprachen ihn frei, und die Bürger Youngstowns wählten ihn bald darauf in den Kongress. Jetzt, 20 Jahren später, drohte nach neuen Vorwürfen der Rauswurf aus dem Repräsentantenhaus. Traficant versprach eine große Verteidigungs-Show: I'll walk in there like Willie Nelson. Maybe do a Michael Jackson moon walk. Doch seine Rede beeindruckte niemanden. Nach dreistündiger Debatte votierten die Abgeordneten 240 : 1 für den Rausschmiss.

Traficant verkündete umgehend, er komme als unabhängiger Kandidat zurück, und sei es aus dem Gefängnis. Youngstowns Lokalzeitung rief daraufhin dazu auf, ihn nicht wieder zu wählen. Das - vorläufige? - Ende eines Volkshelden.