Bis zu 525 Euro im Monat für den Lebensunterhalt, dazu ein monatliches Büchergeld von 80 Euro - wer kann dazu schon nein sagen? Britta Jensen* wäre die Unterstützung ihres geplanten Studiums jedenfalls gut zupass gekommen. Immerhin 2500 Stipendiaten wurden im vergangenen Jahr in das Förderprogramm der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen, des größten deutschen Begabtenförderungswerks. Voraussetzung: überdurchschnittliche Leistungen und der Vorschlag durch Schulleitung oder Hochschullehrer.

Britta Jensens Schuldirektor indes mochte die Abiturientin nicht empfehlen. Nicht dass ihre Leistungen nicht gut genug gewesen wären. Die Leitung des Gymnasiums verzichtete schlichtweg seit Jahren darauf, Schüler für die Studienstiftung vorzuschlagen. Begründung: "Zu viel Arbeit", denn zu jedem Vorschlag muss ein kleines Gutachten geschrieben werden. "Damit war das Thema gelaufen", ärgert sich Jensen noch heute. Denn sich selbst vorzuschlagen ist nicht nur unbescheiden, sondern gar nicht erlaubt.

Was tun, wenn die Schulleitung sich quer stellt? "Es gibt noch andere Möglichkeiten, vorgeschlagen zu werden", tröstet der Leiter der Auswahlabteilung der Studienstiftung, Jörgen Hopf. So werden zum Beispiel die Landes- und Bundessieger von Wettbewerben wie Jugend forscht, Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte oder den Mathematik-, Physik- und Informatik-Olympiaden automatisch gemeldet. Auch Schüler, die an den Sommerakademien des Vereins Bildung und Begabungbesonders auffallen, sind potenzielle Kandidaten. Und selbst nach Studienbeginn kann die Förderung noch greifen. Jeder Hochschullehrer in Amt und Würden kann seine besten Studenten vorschlagen. Das ist auch dann möglich, wenn der Kandidat schon einmal aus dem Rennen war. "Nicht selten konnte jemand, der über den Schulvorschlag nicht reüssiert hat, Profil gewinnen und wird dann über den Hochschulvorschlag aufgenommen", sagt Hopf. - "Wie denn?", zweifelt Britta Jensen. "In den ersten Semestern hat man doch in den meisten Fällen noch gar keinen Bezug zu den Professoren." Doch auch höhere Semester werden noch unter die Fittiche der Studienstiftung genommen, vorausgesetzt, sie sind noch nicht 30 Jahre alt. So schlagen auch Prüfungsämter in Fächern, in denen es harte Zwischenprüfungen gibt, ihre besten Studenten vor. Selbst Doktoranden werden gefördert; derzeit laufen 600 Promotionsstipendien.

Anpasser sind nicht gefragt

"Eine Art Arbeitsverweigerung" sei es, wenn Schulen niemanden vorschlagen, findet Hopf. "Das ist doch die Aufgabe der Schule, begabte junge Leute zu fördern." Insgesamt seien mauernde Schulleiter aber kein gravierendes Problem. Jedes Jahr Mitte April schreibt die Stiftung 4400 deutsche Gymnasien und höhere Schulen, darunter auch die deutschen Auslandsschulen, mit der Bitte an, ihre herausragendsten Abiturienten vorzuschlagen. "Das funktioniert eigentlich auch ganz gut. Es gibt wenige Schulen, die vielleicht neu oder in der Aufbauphase sind, die uns noch niemanden vorgeschlagen haben." Das Vorschlagen sollte jedoch kein Automatismus werden. "Wenn in einem Jahr kein vorschlagswürdiger Kandidat dabei ist, dann ist das eben so." Wenn allerdings mehrere Jahre in Folge keine Vorschläge kämen, sei schon die Initiative der Elternvertreter gefragt. Hopf: "Wir können ja niemanden zwingen. Es gibt ein Vorschlagsrecht, aber keine Vorschlagspflicht. Wir sind ja ein schlichter eingetragener Verein."

Die besten Chancen auf eine Förderung haben nicht etwa die stromlinienförmigen, angepassten 1,0-Abiturienten. "Uns ist ein 1,4er genauso lieb, wenn er um sich herum als Person mehr zu bieten hat. Wir wollen originelle Denker, die aus eigenem Antrieb arbeiten können, selbst gesetzte Ziele haben, außerschulisch aktiv und außerfachlich interessiert sind, sozial aktiv und musisch-ästhetisch ansprechbar." Ganz normale junge Leute eben ...

* Name geändert