Die Beschuldigung, der Gegner würde Kartoffelkäfer als biologisches Kampfmittel einsetzen, wurde während des Zweiten Weltkriegs und danach mehrmals erhoben: Die Nazis behaupteten das von den Alliierten, die Engländer von den Deutschen, und in der Frühzeit der DDR gab es eine Plakatkampagne gegen die so genannten "Ami-Käfer", die, aus der Luft abgeworfen, die Ernte des Arbeiter- und Bauernstaates zerstören sollten. Tatsächlich gibt es aber keine Belege, dass ein solcher Angriff je stattgefunden hat.

Am ehesten berechtigt ist der Vorwurf noch gegenüber den Deutschen. Die Wehrmacht züchtete nämlich seit 1943 tatsächlich Kartoffelkäfer und warf sogar probeweise 14 000 Insekten über der Pfalz ab, um zu überprüfen, ob die überhaupt den Fall aus 8000 Meter Höhe überstehen würden (sie überlebten tatsächlich). Zum geplanten Einsatz in England kam die Biowaffe aber nie - manche Quellen sagen, dass es für den Einsatz gegen die Ernte des Sommers 1944 einfach zu spät war, andere sprechen davon, dass Hitler das Programm persönlich gestoppt hätte.

In Frankreich hat es ebenfalls zumindest Forschungen an Kartoffelkäfern gegeben. Die Propagandabehauptungen der Nazis und der DDR-Führung waren dagegen völlig haltlos und sollten dem Feind die Schuld für die Missernte in die Schuhe schieben. Auch Bertolt Brecht ließ sich für diese Kampagne einspannen und dichtete: "Die Amiflieger fliegen / silbrig im Himmelszelt / Kartoffelkäfer liegen / in deutschem Feld." Alles gelogen. Christoph Drösser

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