Fünf Jahre zuvor, am 21. August 1902, war der Held zweier Kontinente, zweier Freiheits- und Einigungskriege friedlich in seinem Haus in der New Yorker Bronx gestorben und auf dem Woodlawn-Friedhof beigesetzt worden; Carl Schurz, der politische Weggefährte aus den Tagen der deutschen Revolution und spätere Innenminister der USA, hatte die Trauerrede gehalten. Fleißig war in den Jahren darauf für das Standbild am Riverside Drive gesammelt worden - ein Reiterstandbild, eine Ehrung, die in Sigels alter Heimat jenseits des Atlantiks damals allein den Monarchen vorbehalten war, den Königen und Fürsten.

Gerade die aber hat Franz Sigel zeit seines Lebens bekämpft. Am 18. November 1824 wird er in Sinsheim im Kraichgau geboren (wo heute noch das schöne Stadtmuseum manche Erinnerung an ihn zeigt). Sein Vater ist großherzoglich badischer Bezirksamtmann; auch seine Mutter stammt aus einer Beamtenfamilie. Baden steht in jener Zeit an der Spitze der politischen Modernisierung: Seit 1818 verfügt es über eine Verfassung, die immerhin Mitbestimmungsrechte der besitzenden Bürger vorsieht, überkommene Adelsprivilegien sind abgeschafft, es gibt ein straffes Steuersystem und formale Rechtsgleichheit der Bürger. Eigentlich stört, auf dem Weg zur Demokratie, nur noch der Großherzog.

Entsprechend fortschrittlich-liberal gibt man sich im Hause Sigel. Auch den jungen Franz zieht es in den Staatsdienst. 17-jährig tritt er, nach Besuch des Bruchsaler Gymnasiums, in die Armee ein und bringt es in Mannheim rasch zum Leutnant. Nach sechs Jahren allerdings muss er wegen einer Duell-Affäre den Abschied nehmen.

Kaum hat er mit den Vorbereitungen für ein Jurastudium in Heidelberg begonnen, als von Paris her die Revolution nach Deutschland überspringt. Am 24. Februar 1848 ist "Bürgerkönig" Louis Philippe zur Abdankung gezwungen worden, Frankreich wird wieder Republik. Schon drei Tage später findet in Mannheim eine Versammlung statt, die nach französischem Vorbild Freiheitsrechte und Sozialreformen verlangt. An der Spitze der Demokraten: Friedrich Hecker, Rechtsanwalt aus Mannheim, Mitglied der badischen Ständekammer, und Gustav Struve, Redakteur der Mannheimer Abendzeitung. Der 24-jährige Militär Sigel ist eine willkommene Verstärkung. Sein ehemaliger Stabsarzt Adam Hammer bittet ihn, eine Abteilung der Bürgerwehr in Mannheim aufzubauen. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Sensenkorps - besitzlose Handwerker und Arbeiter, die sich kein Gewehr leisten können und deshalb auf gerade gedengelte Sensen zurückgreifen. Sigel ist jetzt in Fahrt: Die Fahne der Freiheit schwenkend, taucht er vor seiner ehemaligen Garnison auf und verlangt, alle Soldaten freizulassen, die aus politischen Gründen eingekerkert sind.

Mit Friedrich Hecker zieht er in die Revolution

Kurz darauf reist er in den Seekreis am Bodensee, nach Konstanz, einer Hochburg der Demokraten. Hecker und Struve stoßen dazu, dem Frankfurter Vorparlament haben sie gleich ahnungsvoll den Rücken gekehrt. Über Frankreich und die Schweiz sind sie herbeigeeilt, um von hier, von Konstanz aus, an der Spitze einer Volksbewegung loszumarschieren - gegen Karlsruhe, gegen Frankfurt.

Die Begeisterung unter den Volkswehrleuten ist gering. Sigel entschließt sich dennoch, Hecker zu folgen. An einem kühlen, nassen Morgen, es ist der 13. April, ziehen sie los. "Die Sache", schreibt Sigel später, "schien mir etwas romantisch, die Schar war so klein, das Wetter so trübe und regnerisch, dass ich die diejenigen mehr bewunderte, welche mit schmalen Bündeln auf dem Rücken in Linie standen, als die Führer und Urheber des Aufstandes, mich selbst eingeschlossen."