Giesecke, seine Planer und die Leute an der Strecke haben an fast alles gedacht: Als wir um neun Uhr morgens mit dem Regionalexpress aus Berlin im Landstädtchen Baruth ankommen, steht dort schon der Shuttlebus nach Petkus. Im Skatehotel dürfen wir die Straßenschuhe bis zum Abend einlagern. Fünf Minuten später rollen wir über eine Rampe auf die Strecke.

Zunächst geht es zwei Kilometer durch frisch abgeerntete Weizenfelder. Wir atmen den Duft ein, genießen die Sonne. Ein bisschen zu sehr, denn unversehens geraten wir auf einen Abhang und werden so schnell, dass die Skates unter uns schlingern. Jette sieht das positiv: »Gut, dass wir den Kurs nicht andersherum laufen. Den Hang als Anstieg zum Schluss, das will ich mir gar nicht erst vorstellen.« An der Ortsgrenze von Ließen knickt die Bahn ab. Wie bei vielen anderen Dörfern führt uns die Strecke um den Ort herum. Von den Kirchen bekommen wir deshalb selten mehr als den Turm zu sehen, von den Gehöften manchmal nur die Gemüsegärten. Nach etwa zehn Kilometern blitzt der Holbecker See durch den Wald. Tapfer widerstehen wir und rollen weiter, schließlich haben wir noch rund 80 Kilometer vor uns.

Um halb zwölf sind wir in der Nähe der Kreisstadt Luckenwalde. War uns bis jetzt kaum jemand begegnet, herrscht nun richtig Verkehr. Wir müssen hintereinander laufen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass hier schon im vergangenen Jahr ein kleiner, zwölf Kilometer langer Rundkurs fertig war. Den halten viele nun für den eigentlichen Fläming-Skate. Hier liegt auch das Gasthaus Zum Eichenkranz. Wir rollen in den Biergarten. Der Kellner bringt zwei Apfelschorlen und scheint nichts dagegen zu haben, dass wir lieber unsere Bananen essen als etwas von der Karte. Wahrscheinlich wissen sie hier, was sie an den Skatern und Radfahrern haben. Bevor die Bahn kam, wollte man schon schließen. Nun wurden sogar neue Mitarbeiter eingestellt.

»Schon wieder Geisteskranke«

Wir sind nun knapp 40 Kilometer gelaufen. Es gibt erste Anzeichen von Müdigkeit: Wir reden kaum noch und fangen an, voneinander Windschatten zu schnorren. Kurz vor Jüterbog lassen wir das Kloster Zinna rechts liegen, dann folgt der vielleicht schwierigste Teil: Wegen der Regenmassen der letzten Tage hat der Landkreis die Bahn hier noch nicht ganz fertig bekommen. Wir laufen also über Fußwege oder auf der Straße.

Als wir wieder auf die Skaterbahn einbiegen, wissen wir umso mehr, was wir an der Strecke haben. Kein Auto und kein Fußgänger, den wir stören. Und umgekehrt niemand, der uns stört. Auf einem der überdachten Rastplätze treffen wir eine Berlinerin. Sie erzählt, wie die Bahn ihr Freizeitverhalten verändert hat. Gleich hinter dem Wald liege nämlich ein Sportflugplatz, sagt sie: »Das ist schon ziemlich langweilig, wenn unsere Männer da das ganze Wochenende fliegen. Deshalb haben die Frauen jetzt fast alle mit dem Skaten angefangen.«

In Wiepersdorf kehren wir in die Alte Schmiede ein, staksen an einen Tisch und werden von zwei Männern mit den Worten begrüßt: »Schon wieder solche Geisteskranke!« Sonst sind die beiden aber recht freundlich.