Bevor er verschwand, gab der bärtige Prediger noch eine Reihe von Interviews.

"Nur Allah weiß, wer die Anschläge in New York und Washington begangen hat.

George Bush jedenfalls hat keinen Respekt vor uns Moslems. Die Anschläge sollten sicherstellen, dass er uns in Zukunft zuhört", sagte er der britischen Wochenzeitung Observer.

Das war nach dem 11. September. Amerikanische Ermittler hatten den Prediger der Welt vorgestellt, als sie am 23. September vergangenen Jahres seinen Namen auf eine Liste von "weltweit aktiven Terroristen" setzten: Abu Qatada.

Für ein paar Monate empfing der angeblich in Bethlehem geborene Apologet des Terrorismus regelmäßig die Weltpresse in seinem Haus im Westen Londons. "Es ist die Pflicht eines jeden Moslems, nach islamischen Gesetzen zu leben und sich nicht unterjochen oder von dem Lebensstil anderer, der USA zum Beispiel, versklaven zu lassen", klärte er einen Reporter des amerikanischen Fernsehsenders CNN auf.

Abu Qatada, groß und von einem buschigen Bart geziert, der bis zu seinem Bauch reicht, sprach kurz darauf auch mit der BBC: "Es ist doch eine unbestreitbare Tatsache, dass Amerika uns weder freundlich gesinnt noch vorurteilsfrei ist. Amerika ist unser Feind." Für den meistgesuchten Terroristen der Welt hat er nur lobende Worte: "Bin Laden ist ein guter Muslim, der das Anliegen des islamischen Staates vertritt." Sich selbst schrieb Abu Qatada nur eine bescheidene Rolle im Heiligen Krieg zu: "Ich bin ein unabhängiger Gelehrter. Ich habe bin Laden nie getroffen." Allerdings: "Wenn ich es hätte, würde ich es als gute Sache sehen und mich nicht dafür schämen."

Am 15. Dezember 2001 trat der korpulente Rauschebartträger vor die Tür seines kleinen Reihenhäuschens in der Noel Road. Er trug ein wallendes weißes Gewand und einen weißen Turban. Er verfrachtete seine hochschwangere Frau und vier Kinder in einen Ford Transit, setzte sich ans Steuer und fuhr davon. Seitdem fehlt von Abu Qatada jede Spur.