Ein Drittel der Pkw-Fahrer hält Lkw-Lenker für "zunehmend aggressiv". Fast die Hälfte lastet Staus und Unfälle den Lkw an. Das ergibt eine neue Studie zum Thema Der gegenseitige Umgang im Verkehr von Pkw und Lkw, in Auftrag gegeben vom ADAC und von dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Besorgniserregende Ergebnisse! Dabei wurde eine entscheidende Frage den Pkw-Fahrern noch nicht einmal gestellt: Was halten Sie von kilometerlangen Überholvorgängen zwischen Lkw, auch "Elefantenrennen" genannt? Die Antworten wären vorhersehbar - 33 Prozent: "Schweinerei!" 33 Prozent: "Polizei!!!" Und 33 Prozent "Idioten!"

Solche Ausbrüche mögen verständlich sein. Doch sie vergiften das Klima auf unseren Straßen und machen die Autofahrer blind. Denn Elefantenrennen sind ein wichtiger und integraler Bestandteil des Verkehrsgeschehens und dienen der Verkehrssicherheit, der Unterhaltung und der Geistesbildung.

So lehrt uns die neuere Stauforschung, dass ein Stau eine Art Selbstheilungsmechanismus des Straßenverkehrs ist. Ein kleines Innehalten im zähflüssigen, hoch störanfälligen Rückreiseverkehr - und schon geht es frisch und flott wieder weiter! Der plötzlich und rabiat ausscherende 40-Tonner produziert binnen Minuten einen beachtlichen Rückstau, der sich absehbar nach fünf bis zehn Minuten wieder auflöst. In dieser Zeit entsteht vor dem Staumacher ein schönes Stück herrlich freier Autobahn, eine kleine Erinnerung an die Zeiten vor 1960.

Unmittelbarer psychischer Gewinn erwächst dem Pkw-Fahrer aus dem plötzlichen Erlebnis der Differenz. Endlose Autobahnkilometer ist er dösend mitgerollt. Plötzlich sind seine Hochleistungsbremsen gefordert. Und wenig später darf er dem Mitverkehr demonstrieren, wofür er 200 000 Euro ausgegeben hat: 250 PS! Welches Drama, welch krank machende Schande, wenn die Autos immer stärker werden und der Verkehr immer zähflüssiger! Und welche Chance, wenn ein Elefantenrennen das stupide Einerlei schlagartig beendet!

Von Familienmenschen weiß man längst, dass sie die eigentlichen Stauprofiteure sind. Würstchen auspacken, Eier pellen, selbst kleine Ballspiele machen Fahrtunterbrechungen zu willkommenen Pausen. Während des Elefantenrennens können sich die Eltern um Sauberkeit auf den Rücksitzen kümmern oder Gewinnspiele anregen. Zum Beispiel: Welcher der beiden Elefanten gewinnt? Rollenspiele sind ein weiterer Hit. Ich bin der überholte, du der überholende Trucker. Komm nur, Holländer, dir zeig ich's! - Volvo, Schwedenschrott! - Hat der eigentlich keinen Geschwindigkeitsbegrenzer? - Ha, das Weichei geht in die Knie! Kann man das Miteinander im Straßenverkehr besser einüben? Indem man den Lastwagenfahrer als eigenwilliges Individuum mit Macken und Schwächen erlebt statt als gesichtslosen Lenker eines monströsen Kolonnenfahrzeugs?

Der unmittelbare Sturz aus der schnellen Highway-Welt ins Lkw-Gezockel bietet nicht zuletzt dem Weisen großartige Chancen. Sich zurückzulehnen. Seine Ziele zu überdenken. Und die Wege dorthin. So manch einer hat nach einer Serie von Elefantenrennen Entschlüsse gefasst, die bislang außerhalb seines Denkens lagen. Zum Beispiel diesen: Nie wieder fahre ich mit dem Auto an die Ostsee! Nächstes Mal Bus oder Bahn! Das ist doch nicht die schlechteste Konsequenz der viel beklagten Elefantenrennen, oder?