Illustration: Anton Markus Pasing

Was haben Bauern mit Autobauern gemeinsam? Beide produzieren immer mehr Produkte für einen übersättigten Markt. Und beide haben verwöhnte Kunden, die zwar gerne vom Umweltschutz reden, dann aber möglichst billig kaufen. Das Produkt soll gut aussehen und möglichst viele Kilogramm pro Euro bieten beziehungsweise möglichst viele PS. Das Turbo-Steak bedarf einer Herkunftsgarantie, der Turbo-Motor der Mehrjahresgarantie. Die Bauern fordern reineres Kraftfutter, die Autobauer reineren Kraftstoff. Und bald haben beide eine weitere Gemeinsamkeit: Hybriden, besonders leistungsfähige und genügsame Mischlinge. Was der Bauer längst kennt, frisst der deutsche Autobauer allerdings (noch) nicht.

Die Japaner hingegen verkaufen schon längst Hybride, Honda etwa, und Toyotas halb elektrischer Prius fand weltweit bereits über hunderttausend Kunden. Die Ingenieure sind sich weitgehend einig, dass die Zukunft intelligentere, sauberere und zunehmend elektrifizierte Autos erfordert. Gewiss, der Weg zum erschwinglichen Elektroauto ist noch weit, die ersten brennstoffzellengetriebenen Versuchsfahrzeuge sind noch längst nicht ausgereift. Auch die Evolution der Verbrennungsmotoren ist nicht beendet (siehe Seite 39). Dennoch liegt es nahe, die beiden Antriebsformen miteinander zu kreuzen. Solche Hybriden vereinen im Idealfall die positiven Eigenschaften beider Arten und vermeiden ihre Macken. Darin liegt ihr Reiz.

Eine altbewährte Hybride ist das Maultier, Mischling aus Pferd und Esel, leistungsstark, folgsam und anspruchslos. Hunderte anderer Hybriden sind inzwischen in der Landwirtschaft unentbehrlich. Ob Weizen, Mais oder Tomate, ob Schwein oder Huhn - Hybriden steigern die Erträge. Hybridhühner benötigen für ein Kilo Ei nur noch zwei Kilo Futter, halb so viel wie alte Hühnerrassen. Heterosiseffekt nennen Züchter den Leistungszuwachs von Mischlingen.