"Pflanzen unterscheiden sich gar nicht so sehr von Menschen", sagt der Pflanzenphysiologe Yaacov Leshem von der israelischen Bar-Ilan-Universität. Zusammen mit seinem australischen Kollegen Ron Wills berichtete er 1998 in einem Artikel in der Zeitschrift Plant Physiology and Biochemistry , dass ein halbes Milligramm der Viagra-Substanz Sildenafil pro Vase genügt, um Schnittblumen eine Woche länger frisch zu halten. Das ist nur ein Hundertstel der Menge, die in einer Viagra-Pille enthalten ist. Und nicht nur bei Blumen erhält Viagra die Spannkraft - auch Erdbeeren und Brokkoli blieben durch Sildenafil länger knackig.

Die Erklärung für die verblüffende Parallele: Sildenafil greift in eine chemische Signalkette ein, die im Pflanzenkörper ähnlich wirkt wie beim Menschen. Der Botenstoff cGMP, der beim Mann die Gefäße erweitert, sorgt bei Pflanzen offenbar dafür, dass sich bei Stress die Poren in den Blättern schließen und so ein Austrocknen verhindern, wie ein britisches Forscherteam um Steven Neill von der University of the West of England in Bristol herausfand. Normalerweise wird der Abbau dieses Botenstoffs von Stickstoffmonoxid gesteuert. Viagra greift in diesen Prozess ein und verlangsamt den Abbau von cGMP.

Wird es bald "Pflanzen-Viagra" zu kaufen geben? Leshem kündigte nach dem Erscheinen seines Artikels "dramatisch verbesserte Prozesse" beim Frischhalten von Agrarprodukten an. Seitdem hat man nicht mehr viel davon gehört. Christoph Drösser

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