Einer der ersten selbst bezeugten Gipfelgänge betrifft den Ventoux, den kahlen Riesen der Provence, an dem Lance Amstrong Jahr für Jahr seinen Tour-de-France-Gesamtsieg sicherstellt. Einen Sieg anderer Art, einen über die Metaphysik, errang am selben Ort im April 1336 Francesco Petrarca, Jurist, Theologe, Gelehrter und Dichter. Ihn drängte so etwas wie forscherische Neugier, diesen außergewöhnlich hohen Ort zu sehen. Oben stand er dann, durch die ganze freie Rundsicht bewegt, einem Betäubten gleich da, schlug seine Miniaturausgabe von Kirchenvater Augustins Bekenntnissen auf und erwischte prompt die Stelle, an der Augustin die Schaulust verdammt, also die Triebkraft rügte, die das Abendland schließlich bergan gezogen hat, aus Mittelalter und Aberglauben. Doch Pionier Petrarca war noch ganz Kind seiner Zeit: Der Berg nötigte ihn zu inneren Monologen über die Größe der Seele, über Tod und Vergänglichkeit.

Dieses Grundgefühl - du der Berg, ich der Zwerg, meine schwindende Zeit und deine Unvergänglichkeit - scheint seit Petrarca ein Dauerbrenner zu sein. Davon findet reichlich, wer sich in die Gipfelbücher vertieft, wie sie auf allen erwanderbaren Alpenspitzen ausliegen, oft mit Ermunterungen zur Zeugnisabgabe:

Du tapfrer Bergfreund schreib dich ein!

Doch halt das Buch dabei auch rein!

Im Kasten sollst du es verwahren,

so bringt es Freude noch nach Jahren

Auf einer der ersten Seiten bekennt Stephan: Liebe Oma, ich hab dich lieb. Ich vermiss dich sehr. Heut bin ich dir ziemlich nah. Und das ist schön.