Die angekündigte Erkundung eines Luftschachts in der Cheopspyramide war Futter für Spekulationen. Würde man hinter der mysteriösen "Tür" auf Mumien, Schätze oder die Tafeln mit den Zehn Geboten stoßen? Zuschauer in über 140 Ländern hockten in der Nacht auf Dienstag vor der Glotze und gierten nach einer Sensation. In der Liveübertragung ruckelte der Roboter durch den schmalen Gang im Innern der Cheopspyramide. Am Ende angelangt, steckte er seine Kamera durch ein vorgefertigtes Bohrloch und ließ die Welt auf das Nichts in einem 45 Zentimeter tiefen Hohlraum schauen. "Ein sehr wichtiger Fund", schwärmte Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass.

Die Produzenten der TV-Übertragung hatten den Flop geahnt. Um den Zuschauern nicht bloß die Entdeckung einer weiteren Kalksteinplatte hinter einer längst entdeckten zu präsentieren, ließen sie die Moderatorin schnaufend als Lara-Croft-Imitat durch die Gänge des Pharaonengrabs hasten und erweiterten die Berichterstattung: Ein vor Monaten gefundener, unversehrter Sarkophag war bislang nicht geöffnet worden. Hawass, in Grabestiefe ausnahmsweise ohne Indiana-Jones-Hut, legte höchstpersönlich Hand an, mit Hammer und Meißel. Der Rabauke brachte es fertig, das 4500 Jahre alte Fundstück beim Erkunden zu beschädigen. Immerhin fand sich darin ein fotogenes Skelett.

War man deswegen um halb vier aufgestanden? Nein. Zum Glück gab es noch eine letzte Erzählebene. Der Amerikaner Mark Lehner gräbt seit Jahren in der Siedlung der Pyramidenbauer. Dort stieß er auf Bäckereien, Berge von Rinderknochen, Kornspeicher und Schlafsäle. Nie zuvor hatte man eine so detaillierte Vorstellung davon erhalten, wie die 25 000 Erbauer des Pharaonengrabs lebten und ernährt wurden. Einzig die stillen Teile der nächtlichen Sendung hatten Sensationelles zu bieten.