ZEIT-Grafik/Quelle: Bundesfinanzministerium

Wie kam es dazu, dass ausgerechnet die Kapitalgesellschaften die Finanzämter abkassieren und nicht umgekehrt? Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik führen die AGs und GmbHs per Saldo weniger Körperschaftsteuer an den Fiskus ab, als sie an Rückzahlungen einnahmen: im ersten Halbjahr 2002 rund 1,3 Milliarden Euro und im vergangenen Jahr schon 426 Millionen. Noch 2000 konnte sich der Staat über die Rekordeinnahme von 23,6 Milliarden Euro freuen.

Entgegen einem weit verbreiteten Glauben ist dieser beispiellose Absturz der Körperschaftsteuer nur zum kleineren Teil eine Folge der rot-grünen Steuerreform. Ein Drittel der Einnahmeverluste des Staates gegenüber dem Rekordjahr 2000 sei auf die von Rot-Grün beschlossene Senkung der Körperschaftsteuer zum 1. Januar 2001 zurückzuführen, schätzen Experten des Bundesfinanzministeriums. Um zu verhindern, dass ausländische Investoren abgeschreckt werden oder deutsche Betriebe ins Ausland abwandern, sind die Körperschaftsteuersätze von 40 Prozent für einbehaltene und 30 Prozent für ausgeschüttete Gewinne auf einheitlich 25 Prozent gesenkt worden.

Dass die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer aber auf unter null gesackt sind, hat andere Ursachen. Da haben sich seit langem gültige Steuervorschriften ausgewirkt - nicht zuletzt das alte, seit 1977 geltende Körperschaftsteuersystem, das mit der neuen Reform abgeschafft wurde. Gerade der alte, gespaltene Steuersatz hat dazu geführt, dass die Finanzämter für die Kapitalgesellschaften zu Sparkassen wurden.