Kundenfreundlich ist zunächst, dass die Preise degressiv gestaltet werden: je weiter die Reise, desto günstiger der Normalpreis. Der Effekt wirkt sich etwa ab 180 Kilometer aus. Für die Strecke Hamburg-München bedeutet das eine Verbilligung um rund ein Viertel im Vergleich zu heute. Anna Brunotte, die verantwortliche Projektleiterin der Bahn, dementiert energisch, dass in das künftige System ein genereller Preisaufschlag eingebaut sei, um die Degression auszugleichen. Nur wer auf kurzen Strecken (etwa zwischen Bonn und Köln) mit dem ICE fahren will, müsse durchschnittlich sechs Prozent mehr bezahlen.

Oberstes Ziel der Preisreform ist die Lichtung des Tarifdschungels, in dem sich heute selbst erfahrene Mitarbeiter der Bahn verlieren und dann nicht imstande sind, das günstigste Ticket auszustellen. Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest wurde bei 100 Preisauskünften nur in 13 Prozent der Fälle auf Anhieb der günstigste Preis genannt. Künftig gilt das Prinzip: weg mit (fast) allen Sondertarifen wie Twen-Ticket, Guten-Abend-Ticket, Super-Sparpreis; stattdessen Vergünstigungen für Frühbucher mit den Plan & Spar-Preisen. Je früher das Ticket gelöst wird, desto höher ist der Rabatt. Wer den Fahrschein einen Tag vor Reiseantritt kauft, erhält einen Nachlass von 10 Prozent auf den Normalpreis; bei drei Tagen erhöht sich die Ermäßigung auf 25 Prozent, bei sieben und mehr Tagen auf 40 Prozent.

Nun gibt es (vor allem an den Wochenenden) Fernverbindungen, die so gefragt sind, dass kein Sitzplatz frei bleibt. Deshalb werden in Zügen mit einer Auslastung von mehr als 90 Prozent die verbilligten Plätze stark kontingentiert. Immerhin sollen auch bei solchen Verbindungen wenigstens zehn Prozent der Plätze für Nutzer des Plan & Spar-Tarifs freigehalten werden. Aber im Durchschnitt sind Fernzüge heute nur zu 40 Prozent ausgelastet, bieten also eine Menge freie Plätze. Deshalb versichert Anna Brunotte: "Grundsätzlich sind für alle Züge reduzierte Plätze verkaufbar."

Die Bahn hofft, dass ihre Kunden die Rabatte dank frühzeitiger Buchung intensiv nutzen und damit die Züge gleichmäßiger auslasten. Wie bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern üblich soll durch Yield Management nachgeholfen werden. Die erwartete Auslastung der rund 1200 täglich eingesetzten Fernverkehrszüge wird drei Monate im Voraus ins Buchungssystem eingegeben. Zeigt die Erfahrung, dass die Grundannahmen nicht mehr stimmen, stehen 15 Spezialisten (die Yield Manager) bereit, um die Daten zu korrigieren und die Auslastung über mehr Platz für Billigreisende zu fördern.

Ersatzlos gestrichen wird das erfolgreiche System Surf + Rail, die Buchung per Internet, die bis zu 60 Prozent Preisnachlass brachte. Die einzigen Sondertarife, die voll erhalten bleiben, sind das Schöne-Wochenend-Ticket für 28 Euro und die Ländertickets. Auch Gruppen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Künftig können bis zu vier Personen zum halben Fahrpreis mit dem Besitzer einer Bahncard mitfahren. Das heißt auch: zum halben Preis eines bereits verbilligten Tickets. Ab sechs Personen gilt ein Gruppe & Spar-Tarif mit drei Rabattsätzen: 50 Prozent ohne Vorbuchung, 60 Prozent bei sieben Tagen Vorbuchung, 70 Prozent bei mindestens 14 Tagen Vorbuchung. Dabei interessiert es die Bahn nicht, wie die Gruppe zusammengehört; im Extremfall kann sie sich vor Abreise spontan in der Bahnhofshalle bilden.

Viel Verwirrung gab es bereits um die künftige Bahncard. Zunächst wird sie weniger kosten: 150 statt bisher 280 Euro in der ersten Klasse und 60 Euro statt 140 in der zweiten Klasse. Der große Nachteil: Es gibt nur noch 25 Prozent Ermäßigung anstelle der gewohnten 50 Prozent. Dem steht ein Vorteil gegenüber: Anders als bisher wird der Rabatt auch auf alle verbilligten Tickets gewährt, also zum Beispiel auf ein bereits um 40 Prozent reduziertes Plan & Spar-Ticket. Wer will, kann seine alte Bahncard unter den alten Bedingungen weiter nutzen; es ist aber auch ein gebührenfreier Umtausch möglich.

Neue Regeln gelten ab Dezember auch für Familien. Eine spezifische Familien-Bahncard wird es nicht mehr geben. Kauft ein Elternteil die neue Bahncard für 60 Euro, dann können der Partner und alle Kinder der Familie eine eigene, individuell gültige Bahncard für je 5 Euro erstehen. Kinder bis zu 14 Jahren (bisher: bis elf Jahre) reisen unentgeltlich mit ihren Eltern. Beim Familienausflug per Bahn kauft also der Vater sein Ticket mit der Bahncard, die Mutter zahlt als Mitfahrerin die Hälfte, die Kinder fahren umsonst.