Der Chef schreit einen an und schlägt die Türen zu. Die Kollegen gehen gemeinsam in die Kantine und "vergessen" zu fragen, ob man mitkommen möchte. Eine wichtige Besprechung wird auf einen Termin gelegt, an dem man auf Geschäftsreise ist. Während der Präsentation eines Projektes tuscheln die Teamkollegen untereinander und keiner scheint richtig zuzuhören. Es kommt zur offenen Auseinandersetzung darüber, wer die Schuld für das Platzen eines wichtigen Termins hat.

Solche und ähnliche Situationen verursachen Stress. Mobbing muss das allerdings noch nicht sein. Konflikte, Streit und Uneinigkeiten gibt es überall, so auch im Arbeitsleben. Es ist auch normal, wenn man sich in Einzelfällen mal benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlt. Klar: Die geschilderten Beispiele zeugen nicht gerade von guter Unternehmenskultur, fortschrittlichem Führungsstil oder kollegialem Verhalten. Klar auch, dass man Ungerechtigkeiten nicht einfach hinnehmen sollte.

Zum Mobbing allerdings gehört mehr als vereinzelte Konflikte: Die Übergriffe erfolgen systematisch und aus einer (zahlenmäßig oder in der Hierarchie) überlegenen Position heraus. Auf den Arbeitswissenschaftler Heinz Leymann geht folgende Definition zurück:

Der Begriff Mobbing ist der englischen Sprache entlehnt, im wissenschaftlichen Kontext wurde er zunächst von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz verwendet - bezogen auf das Verhalten von Tieren. Später sprach man auch in der Kinderpsychologie von Mobbing, bis schließlich in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts der bereits zitierte Heinz Leymann den Begriff auch auf die Arbeitswelt und die dort auftretenden Probleme anwendete.

Subtile Methoden

Mobbing kann sich in verschiedenen Handlungen ausdrücken. Die Übergriffe lassen sich in drei wesentliche Bereiche unterteilen: Sozialverhalten, berufliche Tätigkeiten und Arbeitsaufgaben, sowie Angriffe auf die Gesundheit. Am massivsten sind körperliche Misshandlungen und sexuelle Übergriffe oder der Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten. In den Bereich der Arbeitssituation zählen beispielsweise die gezielte Unter- oder Überforderung, um den Betroffenen zu diskreditieren oder das Erteilen von sinnlosen oder entwürdigenden Arbeitsaufgaben. Beim Sozialverhalten und in der Kommunikation finden sich die subtileren Methoden des Mobbings: Das Aussprechen von offenen oder versteckten Drohungen, die Verweigerung jeglicher Kommunikation, das Verbreiten von Gerüchten und die Kontaktverweigerung durch nonverbale Äußerungen wie geringschätzige Blicke oder ähnliche Andeutungen.

Zu den Kriterien des Mobbings zählt neben der systematischen und regelmäßigen und längerfristigen Ausübung auch die subjektive Sichtweise des Opfers. Körperliche Übergriffe sind als strafrechtlich relevante Tatbestände eindeutig wahrnehmbar. Die subtileren Formen von Mobbing sind es, die den Umgang mit diesem Phänomen schwierig machen. Etwas unspezifisch und plakativ kann man diesen Bereich als "Psychoterror" bezeichnen. Manche Handlungen, wie das Verbreiten von Gerüchten, geschehen gezielt hinter dem Rücken der Betroffenen. Dann hängt es eher vom Zufall ab, ob man als Opfer davon erfährt. Eine Mobbing-Situation kann sich allmählich entwickeln - von eher zufälligen Streitigkeiten bis zum systematischen Ausüben verschiedenster Übergriffe. Es kann also passieren, dass das Mobbing schon in vollem Gange ist, wenn dem Betroffenen die Situation bewusst wird.