Nein, Markus Scheer ist nicht erschienen. Ein ärztliches Attest erlaubt ihm, seine Interessen nicht selbst vertreten zu müssen. Das passt ins Bild, ins leere Bild. Markus Scheer, einst strahlender Gründer und Vorstandsvorsitzender der Bochumer Phenomedia AG, eines Herstellers von Computerspielen, darunter das fast weltberühmte Moorhuhn, dieser Mann ist seit ein paar Monaten abgetaucht. Sei es, weil er die Staatsanwälte fürchtet, die ihn in U-Haft stecken könnten. Sei es, weil ihm seine Verteidiger dazu rieten.

Markus Scheers Phenomedia ist, wie so viele Höhenflieger des Neuen Marktes, abgestürzt. Und wie bei so vielen anderen war nicht die Angst vorm Fliegen schuld. Schuld waren Aktivitäten, die in Scheers Augen Visionen entsprangen und in den Augen anderer: krimineller Energie.

Hier, vor der 8. Zivilkammer des Landgerichts Bochum, geht es ganz banal um eine halbe Million Euro, und hier lässt sich ein erster Blick tun auf typische Sitten und Gebräuche der Phenomedia und des Neuen Marktes. Im Akquisitionsrausch hatte sich das Unternehmen vor zwei Jahren eine Firma in der Schweiz einverleibt und deren Eigner, Claude Cueni, einen Preis von vier Millionen Mark versprochen, aber nur drei Millionen gezahlt. Eine fehlt also noch, macht eine halbe Million Euro.

Vor ein paar Wochen hat Cueni alle damals veräußerten Rechte und Lizenzen zurückgekauft und auf seine Black Pencil Entertainment AG übertragen. Aber die alte Schuld sollen Phenomedia oder Scheer, ganz egal, nun bezahlen. Scheer bietet, nein: lässt bieten, zehn Prozent mit Besserungsschein, obwohl er die Schuld eigentlich bestritten hat. Claude Cueni versteht die Welt nicht mehr - hatte Markus Scheer doch gesagt: "Du hast das Wort von Markus Scheer." Der Richter versteht sehr wohl und entscheidet am nächsten Tag für den Schweizer. Erste Instanz. Man darf sicher sein, nicht die letzte.

Ein harmloses Verfahren, verglichen mit denen, die folgen werden und die sich alle um Unternehmen des Neuen Marktes drehen: Strafprozesse mit Vorwürfen von Bilanzfälschung über Untreue mit oder ohne Selbstbereicherung, Kursbetrug, Insiderhandel und Prozesse, in denen es um Schadenersatz geht, zu leisten nicht mehr allein von den Unternehmen, sondern auch von Vorständen und Aufsichtsräten. Pilot- und Grundsatzverfahren, zum Wohle einer "Aktienkultur", die ähnlich schnell verfällt wie die Kurse.

Die eigentliche Premiere geben am 17. Oktober Bodo Schnabel und seine Frau Ingrid, deren Münchner Comroad AG ihre Umsätze fingiert. Es folgen, am 4. November, ebenfalls in München, die Brüder Thomas und Florian Haffa, die ihren mittlerweile wiederbelebten Medienkonzern EM.TV in Grund und Boden wirtschafteten, Vorwurf: Kursbetrug. Ähnliche Beschuldigungen richten sich gegen Alexander Häfele und Gerhard Harlos, einst Herren der Augsburger Infomatec AG; der Termin ist noch nicht gefunden.

Derweil wühlen sich die Ermittler in ungezählten weiteren Fällen durch die Szene. Mitte April sind sie in Bochum angekommen. Ein Staatsanwalt samt drei Wirtschaftsreferenten, das Landeskriminalamt und eine Schar von Sonderprüfern kümmern sich seither um Markus Scheer und seinen Finanzvorstand Björn Denhard, um herauszufinden, was geschehen ist im Namen der Phenomedia; warum das Unternehmen am 16. April hatte wissen lassen, beide Vorstände seien entfernt und die Bilanzzahlen für 2001 möglicherweise "unrichtig". Was dabei herausgekommen ist, lässt sich fürs Erste in zwei Zahlen fassen: Im Frühsommer 2000, in der Hochzeit des Börsen-Hype, war Phenomedia an der Börse 400 Millionen Euro wert, heute sind es noch 1,43 Millionen.

Rührende Gründerstory

Die Geschichte von Markus Scheer, heute 32 Jahre alt, seinen Mitstreitern (zum Teil Schulkameraden) und der Phenomedia ist oft und schnell erzählt, jedenfalls soweit sie von Zahlen und Produkten handelt. Wie viele andere der modernen Gründer hat sich Markus Scheer nach abgebrochener Ausbildung in die schöne neue Welt gestürzt. Mit 15 hatte er sein erstes Software-Unternehmen. Angeblich dank des Geldes der Oma und des Gewerbescheins der Eltern (aber das sind oft erzählte Legenden, die man nicht glauben muss, und fragen lässt sich Scheer inzwischen ja nicht mehr).

Mit 22 Jahren, 1992, gründet er, zusammen mit anderen, die Art Department Werbeagentur GmbH; die geht später in der Funsoftgruppe auf, wird 1997 per Management Buy Out (MBO) wieder herausgekauft, 1999 in Phenomedia umbenannt und am Jahresende an die Börse gebracht. Als Konsortialführerin hilft (und verdient) die mittlerweile selbst insolvente Frankfurter Gontard & Metallbank, die als Darlehensgeberin, Investorin und Treuhänderin für Firma und Firmenchefs angeblich die Phenomedia-Geschichte später intensiv begleitet. Transparent ist das alles für die Außenwelt (noch) nicht, hat also vorerst als Produkt jener Gerüchteküche zu gelten, von der noch die Rede sein wird.

Zur Zeit des Börsengangs hatte die Phenomedia nur ein paar Werbe- und Computerspiele im Programm, dennoch gab's für die ausgegebenen Aktien umgerechnet 22 Millionen Euro. Eine immense Summe angesichts eines Umsatzes von 4,8 Millionen Euro. Erst das Moorhuhn, jenes arme Tierchen, das später milliardenfach abgeknallt wurde, ließ vom Frühjahr 2000 an das Geschäft explodieren. Der Umsatz stieg über 16,3 auf 25,8 Millionen Euro im Jahr 2001. Allein im ersten Halbjahr seines Erscheinens zog das Geflügel 40 Millionen Gewehre auf sich. Büros und PCs brachen zusammen, mancherorts wurden Filter installiert, welche die Downloads unmöglich machten. Meisterschaften wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz arrangiert, Ranglisten der erfolgreichsten Jäger ins Internet gestellt, unter der für das Unternehmensschicksal ungewollt doppeldeutigen Headline: Born to be abgeknallt.

Im Geschäftsbericht schrieb Phenomedia, die Meisterschaften hätten "gezeigt, dass es möglich ist, auf diesem Weg Hunderttausende von Internetnutzern für Wochen an die jeweiligen Internet-Portale zu binden". Und weiter, glückselig, wenn auch grammatikalisch nicht voll überzeugend: "Es (das Moorhuhn) hat auch die Grenzen zwischen dem Werbespiel als hocheffizientem Marketingwerkzeug und Computerspiele als hochwertige Unterhaltung eingeebnet."

Das war im Jahr 2000. Noch immer konnte man glauben, Zeuge einer überaus gewinnträchtigen Geschichte zu sein. Zu schön waren die Zahlen. Oder?

Waren sie nicht. Hat nur, angeblich, niemand gemerkt. Haben alle nur auf Umsätze und Gewinne geschielt. Die waren schlicht gefälscht, aber es wäre aus heutiger Sicht wohl unfair, etwa den Aufsichtsräten vorzuhalten, dass ihnen das entging. So viel kriminelle Energie des Vorstands war wohl nicht zu erwarten.

Was die Kontrolleure aber hätten sehen müssen, ist, dass andere Kennzahlen in krassem Missverhältnis zueinander standen und dass, vor allem im Jahr 2000, umfängliche Geldabflüsse in diffuse Richtungen strömten.

Claus-Peter Weber, Honorarprofessor am Saarbrücker Institut für Wirtschaftsforschung, Spezialist für Internationale Rechnungslegung, befindet: "Im Jahr 2000 haben die richtig Geld verbrannt. Da ist die Hälfte dessen abgeflossen, was sie aus dem Börsengang eingenommen haben." Nur: Wohin? Außerdem notiert Weber einen "gewaltigen Anstieg der Forderungen über die Jahre. Und man muss doch fragen: Sind die Forderungen auch werthaltig?" In Zahlen: 1999 hatten die Forderungen einen Umfang von 3,7 Millionen Euro, in den Folgejahren summierten sie sich auf 18,7 und 27,1 Millionen, übertrafen also die gefälschten Umsätze. Noch einmal Weber, lapidar: "Irgendwann muss man ja auch mal Geld verdienen." Und: "Man riecht, dass da erhebliche Luftbuchungen drinstecken."

Der Aufsichtsrat hat nichts gerochen. Aber alles abgesegnet. Und Jörg Penner, der Vorsitzende des Gremiums, selbst Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Diplomkaufmann, verweist auf "aktienrechtliche Bestimmungen", um zu sagen: "Ich sage dazu gar nichts. Sie brauchen auch die beiden anderen gar nicht erst anzurufen."

Noch im März dieses Jahres lässt die Phenomedia wissen: "Die Zukunft ist phänomedial." Und: "Wir sind schon Teil dieser Medienkultur geworden. Aber der arbeitende Teil. Nicht diese Schaumkrone, die sich der Selbstdarstellung anheim geben kann."

Die Sünder sind kooperativ

Sechs Wochen später stehen Markus Scheer und Björn Denhard vor dem Staatsanwalt, begleitet von ihren Verteidigern. Sie haben ihren Aufsichtsräten die Bilanzfälschung gestanden und wiederholen dies vor den staatlichen Ermittlern. Bernd Bienioßek, Oberstaatsanwalt und Leiter der zuständigen Abteilung, hat die Sünder als "offensiv und kooperationsbereit" erlebt, "um der drohenden Inhaftierung zu entgehen". Seine Behörde ermittelt nun in alle Richtungen, unterstützt vom Landeskriminalamt.

Einen Monat später folgt der Insolvenzantrag, seit dem 1. August läuft das Insolvenzverfahren. Der Abschlussbericht der Sonderprüfer hat unterdessen ergeben, dass Umsätze in Höhe von 27 Millionen Mark frei erfunden sind nach dem Rezept: Man nehme die Verträge, erhalte das Deckblatt und die letzte Seite und tausche den Mittelteil aus. In welche Kanäle die Gelder geflossen seien, wollen die Staatsanwälte nicht sagen. Sie wollen niemanden auf ihre Fragen vorbereiten.

Wer nun herumfährt, Verteidiger zu besuchen, Staatsanwälte, frühere oder aktuelle Mitarbeiter und Geschäftspartner, macht allerlei seltsame Erfahrungen. Ursprünglich zugängliche Gesprächspartner werden immer schweigsamer, erzählen, wenn überhaupt, nur mehr im Schutz der Anonymität. Bei einem frühen Besuch in der Staatsanwaltschaft wird der Reporter von einem der Verteidiger begrüßt und erst mal stillgelegt. Reist er von A nach B, kann er sicher sein, dass dort die Gespräche von A schon angekommen sind. Und umgekehrt. Alle folgen einer defensiven Sprachregelung. Niemand sagt ein Wort, das die Ermittlung der Strafverfolger stören könnte. Das dient gewiss der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens, ist also nicht zu kritisieren, und doch: Die Attitüde hat einen leichten Touch von Kumpanei. So kann es nicht wundern, dass interessierte Außenstehende mutmaßen, im Sinne einer gewissen Prozessökonomie werde ein Deal vorbereitet zwischen den Parteien, was niemandem gefallen muss, aber doch legal sein kann. Oberstaatsanwalt Bienioßek findet's gut, "wenn man einander respektiert und weiß, dass man fair miteinander umgeht". Und Martin Meinberg, Scheers Verteidiger, ein renommierter Mann in Sachen Wirtschaftskriminalität, sagt: "Man kennt und respektiert einander."

Was wäre dagegen einzuwenden? Nur: Normal ist es eben nicht, wenn Hund und Katze miteinander schnurren, statt zu raufen. Jedenfalls haben alle Akteure eine merkwürdige Atmosphäre geschaffen, in der ideale Arbeitsbedingungen für Gerüchteköche entstanden sind. Und deren Gerichte ähneln einander sehr, wenn sie auch wahrlich nicht allen schmecken.

Der Deal, zum Beispiel. Verschiedene Leute erzählen, Markus Scheer laufe herum und töne: Er werde nicht ins Gefängnis gehen, ja, es werde nicht einmal zu einem öffentlichen Prozess kommen. Bernd Bienioßek sagt dazu: "Definitv nein." Und Meinberg, Scheers Verteidiger: "Es gibt keine Absprachen, keine Zusagen." An einen Deal sei "nicht zu denken. Wir wissen doch überhaupt nicht, was im Pott ist. Absolut ausgeschlossen in dieser Situation."

Ein anderes Beispiel könnte man nennen: das ganz große Ding. Danach wäre die Phenomedia nur ein kleines Teilchen eines großen Puzzles. Die das verbreiten, verweisen auf weit gestreute Aktivitäten der erwähnten, insolventen Gontard & Metallbank. Die wiederum gehörte zu 45 Prozent dem Düsseldorfer Finanzdienstleister Gold-Zack, der wegen der Tochter selbst in Not geraten war, einen Kapitalschnitt vornehmen musste und mittlerweile 25,01 Prozent an die Hamburger Magus Verwaltungsgesellschaft verkauft hat, einen Investmentbanker, der aus der Gontard & Metallbank ein Spezialinstitut für Unternehmensanleihen machen will. Die Gold-Zack AG hat laut Handelsblatt in drei Jahren 27 Unternehmen als Konsortialführerin an die Börse, vornehmlich den Neuen Markt, gebracht. Drei Viertel ihres Wertes hätten die seither verloren.

Wieder andere streuen, Björn Denhard, der geschasste Finanzvorstand der Phenomedia, sei zuvor KPMG-Mitarbeiter gewesen. Beschäftigt also bei dem Wirtschaftsprüfer, der - wie zuvor bei Holzmann und anderen - auch in Bochum nichts gemerkt hat (erst für 2001 hat die KPMG das Testat verweigert). Hat der etwa frühzeitig was mitbekommen und dafür einen schönen Job erhalten? Denhards Verteidiger, Hans-Heinrich Harrfeldt, kann schon verstehen, "dass man auf so einen Gedanken kommen kann". Aber sein Mandant war doch nur Prüfungsassistent: "Der konnte gar nichts ausrichten, er hat doch nur Akten sortiert und Kaffee gekocht." Was ihn aber als Finanzvorstand offenbar ausreichend qualifizierte.

"Das Moorhuhn soll leben"

Es ließe sich noch davon erzählen, dass Besucher den Markus Scheer meist als zockenden day trader vor seinem Computer vorgefunden haben; dass er sein Haus in der Galgenfeldstraße dem Schwager überlassen habe, der dort ein neues Unternehmen mit dem beziehungsreichen Namen Follow up führe; dass bis zu 16 Firmentöchter gern für Dreiecksgeschäfte benutzt wurden; dass es finanzielle Verflechtungen mit bis zu 80 Unternehmen gegeben habe; dass allerlei Geldanlagen gesucht wurden, sogar auf einer Ölbohrinsel vor Portugal namens Porto Alegro. Die Staatsanwälte sind nicht zu beneiden.

Ein Vorwurf noch ist immerhin amtlich: Insiderhandel. Am Tag vor der Bekanntgabe möglicher Unregelmäßigkeiten, am 15. April 2002 also, sind an der Börse eine Million Aktien gehandelt worden. Das Vierzehnfache des Durchschnitts aus Tagesverkäufen zwischen 10 000 und 250 000 Stück. Sabine Reimer, Pressesprecherin des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel, bestätigt den Verdacht. Mit 1000 Fällen im Jahr ist ihr Amt beschäftigt. Daraus werden im Schnitt 55 "förmliche Untersuchungen". Und "in diesem Stadium ist Phenomedia nun". Man kooperiert bereits mit den Bochumer Staatsanwälten.

In all diesem Getümmel müssen zwei Männer die Geschäfte weiterbringen. Der Insolvenzverwalter Wulf-Gerd Joneleit und Jürgen Goeldner, neuer Vorstandssprecher der Phenomedia. Joneleit sagt: "Wir setzen das Unternehmen ganz normal fort. Es sieht bislang so aus, dass wir keine Überschuldung haben. Und Goeldner macht derweil eine Baustelle nach der anderen zu." Das heißt: Er sucht und findet weltweit Interessenten für Produkte, Lizenzen und Töchter (die gut zur Hälfte insolvent sind). Und er erwartet, dass am Ende die Phenomedia abgespeckt und allein dasteht. Und lebt. Außerdem denkt er über Schadenersatzforderungen an den alten Vorstand nach. Denn, so Goeldner, "das Problem liegt ja nicht am Produkt, sondern an Personen. Scheer und Denhard bildeten ein geschlossenes System."

Welcher Art war dieses System? Waren die Herren einfach nur jung und unerfahren? Waren sie dem spekulativen Druck des Neuen Marktes nicht gewachsen, auf dem man "mit Prognosen unter 30 Prozent plus als Vorwärtseinparker" gilt (Scheer-Anwalt Meinberg)? Oder waren sie schlicht Kriminelle?

Dass die Verteidiger die letzte Frage nicht einfach mit Ja beantworten, ist ihnen nachzusehen. Allein, die Fakten, zumindest die Bilanzfälschungen, sind nicht zu bestreiten. So sitzen sie da, reden viel und sagen wenig. Zeigen sich beeindruckt von den ihnen unbekannten Sitten und Gebräuchen. Erzählen vom Duzen, von Zusammenhalt, von Visionen und der Pizza um 23 Uhr. "Alles überhaupt nicht vergleichbar mit Unternehmen alter Schule" (Meinberg). Schwierigkeiten hätten die handelnden Figuren nur als kurzfristige Irritationen begriffen, die Visionen würden sich schon durchsetzen. Sie hätten sich gleichsam in einer "Isolationssituation ohne wirksame äußere Kontrolle" befunden (Meinberg). "Tat und Täter passen einfach nicht zusammen." Und Denhard-Anwalt Harrfeldt sieht's genauso: "Das kann man nicht so gewichten wie bei einer ganz normalen anderen Tat."

Einmal ganz abgesehen davon, dass es ziemlich dreist ist, die erfolgreiche Daddelei am Computer als Vision zu verkaufen (was sollen da Verkäufer von Autos, Unterhosen und Schlaftabletten sagen?). Abgesehen auch davon, dass es nicht ohne Ironie ist, wenn Bilanzen sich Visionen fügen und nicht umgekehrt. Es wird nicht leicht sein, Richtern und Staatsanwälten das Besondere der Taten nahe zu bringen.

Andere sehen nämlich nicht die passive Isolation, sondern aktives Verhalten von ordinären Kriminellen. Ingo Mesche zum Beispiel. Der Mann, der auf Malta wohnt, hat schon 1989 das Moorhuhn gezeichnet. Acht Prozent vom Umsatz waren ihm versprochen. Aber Scheer hat den Vertrag nicht eingehalten. "Ich fand das kriminell", sagt Mesche. Inzwischen hat man sich auf eine Abfindung geeinigt. Denn, so Mesche: "Ich will, dass das Moorhuhn weiterlebt."

Ausgerechnet. Dieses milliardenfach abgeknallte Tierchen.