Die massenhaften Finanzbetrügereien von Unternehmen haben nicht nur die Wall Street, sondern ganz Amerika in Aufruhr versetzt. Die Abscheu paart sich mit Staunen: Wie konnte das passieren?

Eigentlich sollten wir uns nicht wundern. Die Exzesse, die der Börsen-Euphorie der neunziger Jahre entsprangen, sind nichts Neues. Derartige Skandale sind von jeher Teil jedes Booms. Viel mehr erstaunt Folgendes: Auch nach so vielen Auf- und Abschwung-Phasen verstehen wir immer noch nicht genau, wie die Finanzmärkte funktionieren.

Die vorherrschende Meinung behauptet, dass Märkte dank des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage zu einem Gleichgewicht tendieren. Für die idealen Märkte der ökonomischen Modelle mag das durchaus zutreffen, aber ganz sicher nicht für die Finanzmärkte.

Denn was auf den Finanzmärkten passiert, kann die ökonomischen Fundamentaldaten beeinflussen, die diese Märkte eigentlich widerspiegeln sollen: die Unternehmensgewinne, das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit. Steigende Aktienkurse verbessern die Fundamentaldaten, was wiederum die Kurse weiter steigen lässt. Sinkende Kurse verschlechtern sie.

Wegen dieser Wechselwirkung sind die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren erst irrational nach oben geschossen, um dann ebenso dramatisch zu fallen.

Es bestimmen also nicht nur Angebot und Nachfrage die Marktpreise, sondern umgekehrt können die Marktpreise auch die Bedingungen von Angebot und Nachfrage beeinflussen. Meiner Ansicht nach erklärt diese beiderseitige Beeinflussung (Reflexivität) das gegenwärtige Chaos an den Finanzmärkten besser als die verbreitete Idee eines Gleichgewichts.

Viele Firmen frisierten ihre Bilanz in aller Öffentlichkeit