die zeit: Erinnern Sie sich noch an einen Postdoktoranden namens Leonardo da Vinci?

Sydney Brenner: Aber selbstverständlich - er arbeitete in einem Labor in Neapel. Im Ernst: Sie spielen natürlich auf die Geschichte an, dass ich mir in einem Manuskript für die britische Royal Society den Spaß erlaubte, mitten im Text zu schreiben "Leonardo da Vinci, personal communication". Und als der Editor deswegen anrief, sagte ich ihm, das sei ein italienischer Postdoc, der gerade in meinem Labor angefangen habe.

zeit: Wie wichtig ist Humor in der Forschung?

Brenner: Absolut essenziell. Ich denke, zu viele Wissenschaftler nehmen sich selbst zu ernst. Humor eröffnet Menschen eine andere Perspektive. Er kann zu neuen Erkenntnissen führen. Oder gar beim Entwickeln von Ideen helfen. In der Tat muss eine gute Idee nicht nur gut sein, sondern in gewissem Sinne auch witzig.

zeit: Wie entstehen gute Ideen?

Brenner: Die Hauptsache ist, Dinge einfach auszusprechen, auch wenn sie falsch sein mögen. Indem ich sie ausspreche oder niederschreibe, kann ich besser erkennen, was daran falsch sein könnte. Und das kann zu einer robusteren Idee führen. Letztlich geht es darum, die Gedanken nicht zurückzuhalten. Ideen sind jedoch nur das eine. Ideen sind ziemlich billig in der Biologie. Viel wichtiger ist es, einen Weg zu finden, wie ich sie in der realen Welt testen und beweisen kann.

zeit: Aktuelle Großprojekte wie das Humangenomprojekt häufen aber eher Daten an als Ideen.