Das Fremdenzimmer ist, seit Wörter wie Gästehaus in Mode kamen, vom Aussterben bedroht. Als müsste der Reisende sich überall heimisch fühlen, als gehörte er, kaum aus dem Überlandbus geklettert, schon zur Familie. Dass es dem Fremden aber vielleicht gerade auf die Mischung von Fernweh und Heimweh ankommt, davon handelt ein neues, sonderbares Reisemagazin. Es verzeichnet Orte, an die niemand reisen mag und erforscht sie gründlich: Allein für die erste Nummer haben 30 Reisende (Schriftsteller, Fotografen, Maler) das Erzgebirgsstädtchen Glashütte um und um gewendet und berichten nun von Bilderbuchfamilien und Uhrenmuseen, einem Klosettbrillenerfinder und einem Wasserpfeifenraucherverein, vor allem aber von den tausend guten Gründen, hier entweder niemals hin- oder nie mehr wegzuwollen. Das ist komisch, tragisch, anrührend und oft unglaublich. Ein Dorf, so groß wie die Welt. Ein Fremdenzimmer mit klammen Federbetten, aber toller Aussicht - auf den Ochsenkopf (435 m), auf den Nachbarort Oberhäslich und einen Bach namens Weisseritz. Der ist seit August berühmt: Als die Reisechronik gerade fertig war, wurde Glashütte vom Hochwasser geflutet.

Orte, an die niemand reisen mag: Glashütte! (hrsg. von Judith Borowski

Kommunikationsverlag, Berlin 2002

146 S., 7,50 e)