Jakarta/Bali

Abu Bakr Baschir strahlt. Dutzende Fotografen, Kameramänner und Reporter bedrängen den Mann im weißen Gewand und seine acht Helfer. Baschir scheint das Chaos vor dem Hauptquartier der indonesischen Polizei in Jakarta zu genießen. Fast zehn Minuten braucht er für die wenigen Meter von seinem Auto bis in das Zimmer im ersten Stock, wo er verhört werden soll. "Ich bin kein Terrorist", ruft er den Journalisten zu. Das Gleiche sagt er später Polizeibeamten. Die glauben ihm. "Es gibt keine Beweise dafür, dass Abu Bakr Baschir etwas mit Terrorismus zu tun hat", berichtet der Polizeisprecher knapp. Bevor Baschir nach Hause fährt, hält er noch eine Pressekonferenz. "Ich bin kein Al-Qaida-Mitglied", sagt er, "aber meiner Meinung nach ist Osama bin Laden ein wahrer islamischer Kämpfer. Al-Qaida setzt sich für die Rechte der Muslime ein. Die USA haben Millionen Muslime getötet."

Das war am 25. Januar. Die Regierungen Malaysias, Singapurs, Australiens und der USA hatten zuvor monatelang in Jakarta Druck gemacht. Alle wollen, dass die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri den Fundamentalisten Abu Bakr Baschir verhaften lässt. Geheimdienste behaupten, dass er ein Führer der Dschama'at al-Islamija sei, einer südostasiatischen Terrorgruppe mit angeblichen Verbindungen zu al-Qaida.

Hassreden trotz Haftbefehls

"Terroristen dürfen in Indonesien frei herumlaufen", meinte Singapurs Exstaatschef Lee Kuan Yew wütend. Jetzt, nach dem grausamen Bombenanschlag auf Bali, fragen sich viele, wer Recht hat: Baschir, der sich als einfachen islamischen Gelehrten bezeichnet, und die indonesischen Behörden, die ihm glauben - oder diejenigen, die Baschir für den Osama bin Laden Südostasiens halten.

Wenn Abu Bakr Baschir seine Brille abnimmt, sieht er so ähnlich aus wie bin Laden. Baschir ist zwar älter, aber beide haben dieses längliche Gesicht, schwarze Augen, dunkle Haut und einen Bart. Und beide hassen alles, was aus dem Westen kommt. Für beide zählen keine von Parlamenten verabschiedeten Gesetze, sondern nur der Koran und die Scharia. Beide kämpfen für islamische Gottesstaaten. Mit einem feinen Unterschied: Der Al-Qaida-Chef bekennt sich zum bewaffneten Kampf. Der Indonesier Baschir sagt, dass er Gewalt nur im Geiste unterstütze.

Baschir wohnt in Ngruki, einem Dorf in der Mitte von Java. Geboren ist er im Osten der Insel, seine Vorfahren kamen wie bin Ladens Vater aus dem Jemen. In Ngruki leitet der 64-Jährige ein von ihm mitgegründetes Internat, in dem seine fundamentalistische Interpretation des Islam gelehrt wird. Baschir ist oft nicht da, er reist viel, allerdings nur noch in Indonesien, denn anderswo würde er wohl verhaftet. Die Behörden in Singapur und in Malaysia haben einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. In Indonesien jedoch darf Baschir ungestört Hassreden halten. Wenn er etwas besonders hervorheben will, streckt er die rechte Hand in die Höhe und reißt sie dann immer wieder herunter, als schlage er mit einer Fliegenklatsche zu. "Christen sind niedriger als Tiere", sagte Baschir, als eine Kamera des britischen Senders BBC lief. Immer wieder propagiert er die Scharia, das islamische Gesetz, das in ganz Indonesien gelten solle. Mit Gesinnungsbrüdern hat er sich zum Majelis Mudschaheddin Indonesia, zum Rat der indonesischen Gotteskrieger zusammengeschlossen. In der Gruppe trägt Baschir den Titel "Kommandant des Regierungsvorstandes".