Böhmer: Das hängt davon ab ob es gelingt, die Ausgaben so weit zu kürzen. Ich glaube das nicht. Wenn diese Vermutungen zutreffen sollten, wird man um einen Nachtragshaushalt nicht herumkommen können, denn sie können in den letzten zwei, drei Kalendermonaten nicht mehr diese Summe einsparen. Das heißt es muss die Neuverschuldung erhöht werden.

Engels: Und in welchem Umfang? In diesem von 14 Milliarden? Sollte man anders gefragt diese Lücke, die sich da auftut, in einem kompletten Umfang durch Neuverschuldung decken, oder ist jetzt gerade mit Blick auf die Länder dort doch mit Sparmaßnahmen von ihrer Seite aus etwas zu machen?

Böhmer: Wir sparen so, dass wir fast jeden Tag dafür beschimpft werden, dass wir sparen. Wir sind tatsächlich entschlossen und dabei, auch im konsumtiven Bereich zu sparen. Auch das hat seine Grenze. Die Finanzsituation des Landes Sachsen-Anhalt ist so, dass wir im Grunde genommen keine Beweglichkeit und keinen Spielraum mehr haben. Das hängt auch mit der Art der Politik zusammen, die in den letzten Jahren hier gemacht worden ist. Durch Einsparen der Länder wird man den Bundeshaushalt nicht sanieren können.

Engels: Um uns eine Vorstellung zu geben: Unter das Defizitkriterium von drei Prozent, wie es Maastricht vorgibt, werden ja auch die Verschuldungen der Länder gerechnet. Um wie viel überschreiten Sie denn möglicherweise in diesem Jahr für Sachsen-Anhalt die ursprünglichen Schätzungen Ihrer Neuverschuldung beziehungsweise Ihres Defizits?

Böhmer: Wir haben mit dem Nachtragshaushalt die Neuverschuldung erhöht, aber - und das muss man ganz deutlich sagen - wir haben nur das etatisiert, was in Nebenhaushalten schon bereits an Krediten aufgenommen war.

Engels: In welchem Umfang?

Böhmer: Die Finanzpolitik in Sachsen-Anhalt war ja so, dass auch außerhalb des Landeshaushaltes Fonds bestanden, die das Recht hatten, Kredite aufzunehmen, und das auch gemacht haben. Wir hatten Schulden aus dem Haushaltsjahr 2001, für die wir Zinsen zahlen mussten. Alle die bereits bestehenden Kreditverpflichtungen und Schulden haben wir etatisiert. Dadurch ist rein nominell im Landeshaushalt die Neuverschuldung fast verdoppelt worden.