Durak: Die FDP hat schwierige Zeiten hinter sich und wahrscheinlich auch ebensolche vor sich. Nach dem Scheitern der ehrgeizigen Ziele zur Bundestagswahl nun die Zuspitzung der Affäre Möllemann. Der erkrankte Möllemann wehrt sich gegen Vorwürfe der Bundesspitze, sieht sich kriminalisiert und diffamiert, will aber auch nach ärztlichem Anraten seine Genesung abwarten, um dann zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen, was die Spenden für sein umstrittenes Flugblatt betrifft. Einstweilen ist er vom Landes- und Fraktionsvorsitz zurückgetreten, es gibt auch Ausschlussforderungen und ein Ultimatum der Bundesspitze, bis Donnerstag die Namen der Spender für das Wahlkampfsonderkonto zu nennen. So weit die Fakten zum Vorgang um Jürgen Möllemann. Befindet sich die FDP nun doch in einer größeren Krise, muss sie nun um ihr liberales Gesicht und Gewicht in Deutschland kämpfen? Darüber spreche ich jetzt mit dem Ehrenvorsitzenden der FDP, Otto Graf Lambsdorff. Schönen guten Morgen.

Lambsdorff: Morgen, Frau Durak.

Durak: Herr Lambsdorff, in welcher Situation befindet sich Ihre Partei im Augenblick?

Lambsdorff: Sie befindet sich nicht in einer Krise, um Ihre Formulierung aufzugreifen, aber sie muss selbstverständlich um ihre Position kämpfen. Das Bundestagswahlergebnis war nicht zufriedenstellend. Wir haben zwei Landtagswahlen vor uns, in einer gilt es, eine Regierungsbeteiligung der FDP zu verteidigen in Hessen, in der anderen geht es darum, in Niedersachsen wieder in den Landtag reinzukommen. Das sind Aufgaben, die vor uns liegen und die jetzt den ganzen Einsatz der Partei erfordern. Deshalb war es gut, dass der Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen, so weit er das konnte, einen Strich unter die Sache gezogen hat. Es wird eine neue Landesvorsitzende geben, Ulrike Flach kandidiert dafür. Sie kann das, sie wird das gut machen. Andreas Pinkwart hat seine Kandidatur zurückgezogen, er wird für den stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf einem der nächsten Parteitage kandidieren und auch die Fraktion bekommt mit Stefan Grüll einen neuen Vorsitzenden aus Bonn, der in der Lage sein wird, dieses Amt gut auszuführen.

Durak: Herr Lambsdorff, noch einmal zu Herrn Möllemann. Wie konnte das passieren? Er hatte Gewicht in der FDP, er stand dem größten Landesverband vor, er hat immer die meisten Stimmen geholt, er war ein Gesicht der Liberalen in Deutschland.

Lambsdorff: Frau Durak, Herr Möllemann ist an sich selbst gescheitert. Wenn der Vergleich nicht so bizarr wäre müsste man wirklich sagen wie ein Selbstmordattentäter. Er hat sich mit allem, was es so an Möglichkeiten gibt, selbst politisch in die Luft gesprengt und daraus ist auch kein Entweichen möglich. Er wird die Namen nennen müssen. Das ist in der Rechtslandschaft unvermeidlich und er wird damit nicht warten können bis er aus Gran Canaria zurückkommt, wo er ja im Übrigen ganz fröhlich umherfährt.

Durak: Verlöre denn die FDP mit Möllemann nicht einen Liberalen auf den sie in Wirklichkeit nicht verzichten kann?