Berlin-Lichtenberg, unweit des Ostkreuzes, an der Grenze zu Friedrichshain. In einem Hinterhaus, auf 100 Quadratmetern Büro- und Werkstattfläche, haben sich Tim Esser, Joko Keuschnig, Claudius Herwig, Tobias Trost und Andreas Wolter selbstständig gemacht. Mit einem Laboratorium für Gestaltung gründeten die diplomierten Grafik- und Produkt-Designer, alle zwischen 29 und 34 Jahre alt, vor drei Jahren schon während ihres Studiums in Münster ihre eigene Firma. Seit März leben und arbeiten sie in Berlin.

Olaf Schröter ist einen anderen Weg gegangen. Der Grafikdesigner bekam eine Stelle in einer der renommiertesten Design-Agenturen Deutschlands. Schröter sitzt in seinem Büro in einer Villa am Rothenbaum, Hamburgs Nobelviertel, direkt an der Alster. Stuck an den Decken, Holzfußböden, aufgeräumt, edel. Der 32-Jährige arbeitet in einem Team im Bereich Corporate Design für die Peter Schmidt Group, die 90 Mitarbeiter in Hamburg, München und Offenbach hat. Schröter bewarb sich dort nach seinem Diplom im vergangenen Jahr.

"Eigentlich sind die Chancen hervorragend"

Zwei unterschiedliche Karriereentwürfe im Designbereich. Die Geschäfte laufen nicht so gut momentan, sagen Branchenexperten, deswegen ist es schwierig, als Berufsanfänger Fuß zu fassen. Die Situation sei zwar prinzipiell besser geworden, sagt Susanne Engyel, Präsidentin des Verbandes Deutscher Industrie Designer. Denn immer mehr Unternehmen wollen ihre Produkte gestalten lassen. Auf der anderen Seite aber wirkt die Rezession: Wenn es der Wirtschaft schlechter geht, sparen die Firmen an Entwicklung und Innovationen. Nach dem Boom der vergangenen Jahre, in dessen Verlauf sich viele Agenturen vergrößert haben, "ist das Thema zurzeit mau", sagt auch Andrej Kupetz, Geschäftsführer des Rats für Formgebung, der mit dem Bundeswirtschaftsministerium zusammenarbeitet und zahlreiche Designwettbewerbe veranstaltet.

Der Arbeitsmarkt für Designer ist wenig übersichtlich. Aussagekräftige Zahlen gibt es kaum. An einem Teilmarkt, der Werbebranche, in der ein großer Teil der angestellten Grafiker arbeitet, lassen sich aber Trends ablesen. Die Stellenangebote für Grafiker und Mediendesigner sind laut dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) von 2000 auf 2001 von 2585 auf 1136 gesunken - um 56 Prozent. Selbstständig sind laut Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 15 000 Designer, wobei alle Bereiche des Designs gezählt werden.

Was genaue Aussagen erschwert: Der Begriff "Designer" ist nicht geschützt, darf von jedermann benutzt werden. Den Titel "Diplomdesigner" hingegen dürfen nur die 2000 Hochschulabsolventen der 31 Fach- und 16 Kunsthochschulen, drei Universitäten oder Gesamthochschulen tragen, die jährlich auf den Arbeitsmarkt drängen. Darunter sollte man es auch nicht machen, empfiehlt Andrej Kupetz das Studium. "Alles andere ist ein erfolgloses Unterfangen." Die meisten Designweiterbildungen von privaten Bildungseinrichtungen oder dem Arbeitsamt greifen zu kurz. Sie geben zwar ein Werkzeug an die Hand, wecken jedoch nicht das Verständnis für Gestaltung. Das aber dringend nötig ist, um beruflichen Erfolg zu haben. "Denn die Chancen für gute Designer sind eigentlich nach wie vor hervorragend", sagt Heide Hackenberg von der Allianz deutscher Designer (AGD), die mit 3300 Mitgliedern der größte Designerverband in Europa ist und ausschließlich Selbstständige vertritt.

Für die fünf gleichberechtigten Partner des Berliner Laboratoriums läuft es recht gut, trotz des Standortwechsels und der schlechten Konjunktur. "Wir profitieren von den vielen persönlichen Kontakten, die wir im Laufe unseres Studiums und unserer vorherigen Arbeit neben der Fachhochschule geschlossen haben", sagt Tobias Trost. Die Vorteile der Selbstständigkeit: "Wir sind in der Lage, Zeit und Geld in Eigenentwicklungen zu investieren. Bei Auftragsarbeiten sind wir selbst dafür verantwortlich, welche Jobs auf unserem Tisch landen."