Der Gründer und Geschäftsführer Björn Bedey hat über die Website www.diplom.de seit 1997 bereits mehr als 14 000 Exemplare von über 5400 verschiedenen Diplom-, Magister-, Staatsexamens- und Doktorarbeiten verkauft. Der Toptitel Wirkungen des Wegfalls der Gruppenfreistellungsverordnung auf den Automobilvertrieb fand bislang 49 Abnehmer. Schweighofer schickte seine Arbeit vergangenen März als Datei ein und vergaß die Sache erst einmal. Als er drei Monate später die Website wieder anklickte, sah er plötzlich seinen Namen auf der Sechs-Monats-Bestsellerliste. "Da war ich natürlich sehr erfreut." In guten Monaten wird sie drei- oder viermal verkauft - vielleicht auch an einen künftigen Arbeitgeber.

Für wenig Aufwand bietet Diplomica die Chance auf einen - wenn auch bescheidenen - Nebenverdienst bei Verkaufspreisen zwischen 24,50 und 298 Euro, je nach Alter und praktischer Verwertbarkeit der Studie. Die Hälfte des Nettoverkaufspreises fließt an den Autor. Allerdings nur, wenn die Käufer keine Studenten sind, denn die bekommen 50 Prozent Rabatt, und der Autor verdient nur 30 Prozent am reduzierten Preis. Die so genannte Einstellgebühr von 15 Euro wird erst fällig, wenn die erste Arbeit verkauft ist.

Doch ob sie nun ein paar Euro mehr oder weniger verdienen, ist den meisten Diplomanden gar nicht so wichtig. Viel faszinierender ist der Gedanke, dass sich ihre Arbeit verbreitet, potenzielle Arbeitgeber neugierig macht und vielleicht sogar zitiert und damit im wissenschaftlichen Kreislauf gehalten wird.

Wer Wert darauf legt, seinen Namen auf einem Buchrücken zu lesen oder in Online-Katalogen wie www.amazon.de oder www.libri.de, findet bei Books on Demand eine kostengünstige Möglichkeit. Ab 300 Euro gibt es ein 180 Seiten starkes Taschenbuch. Der Vorteil: Der Titel bekommt eine offizielle ISB-Nummer, ist im so genannten Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet und über den stationären und Internet-Buchhandel bestellbar. Nützlich kann auch die Aufnahme in die CIP (Catalogueing in Publication) der Deutschen Bibliothek sein. Die dort gelisteten Titel erscheinen unter anderem in einem wöchentlichen Newsletter, der an rund 2000 Buchhändler, Bibliotheken und Institute geht. So wird das Buch vielleicht auch einmal von einer Bibliothek angefordert.

Der Preis des Wissens

Jedes Exemplar wird erst gedruckt, wenn es bestellt wird. Books on Demand (BoD) ist vor allem für Doktoranden interessant, weil es sie von der Pflicht entbindet, die von den Prüfungsämtern geforderte Mindestauflage herstellen zu lassen. Auf "etwa 200 bis 300 Exemplare" schätzt Books-on-Demand-Marketing-Mitarbeiterin Ute Nöth die Zahl der verfügbaren Dissertationen. Auf "ein paar" die der Diplomarbeiten. Wer einige Exemplare verkaufen will, müsste "schon eine gewisse Selbstvermarktung betreiben", sagt Maik Becker. Der 29-jährige Geograf schrieb seine Diplomarbeit über Auswirkungen von Online-Shopping auf den stationären Einzelhandel und die Entwicklung innerstädtischer Geschäftszentren. Er richtete sich extra eine Homepage ein, schrieb Fachzeitschriften an und bekam auch ein paar Rezensionen. "Doch das war alles sehr zeitintensiv", erinnert er sich, "und um wirklich erfolgreich zu sein, hätte ich noch mehr machen müssen."

Bin ich zu billig oder zu teuer? Die Frage stellt sich automatisch, wenn es darum geht, den Verkaufspreis zu kalkulieren. Und sie ist nicht eindeutig zu beantworten. Den Copy-Preis seiner 200-Seiten-Arbeit hat Maik Becker mit 35,28 Euro, verglichen mit den Diplomica-Tarifen, niedrig angesetzt, "weil ich die Arbeit im Zweifel lieber etwas breiter streuen wollte". Aber vielleicht hat er damit auch auf einige Einnahmen verzichtet. Seit die Arbeit im Sommer 2000 bei BoD erschienen ist, verkaufte sie sich immerhin im Schnitt drei- bis viermal im Monat.