Kosovo, Makedonien, Antiterroreinsatz, Afghanistan: Das waren harte Lehrjahre für Rot-Grün. Krisenmanagement und Tabubruch-Bewältigung banden dabei viel Energie; doch ist wohl auch einiges vom Stoff hängen geblieben.

Ein Blick auf den alten Koalitionsvertrag zeigt: Die rot-grüne Sicht auf den Globus ist nüchterner geworden, die Hoffnung auf eine Weltinnenpolitik unter UN-Flagge dahin. Umso entschiedener pocht der neue Vertrag auf Völkerrecht, Multilateralismus, Krisenprävention, zivile Begleitung von Militäreinsätzen, Gewaltverzicht (Amerika: This means you). Schön gedacht; noch schöner, wenn's klappt. Ein Testfall für die Standfestigkeit dieser Überzeugungen wird der Internationale Strafgerichtshof: Die USA wollen einzelne Immunitätsabkommen mit den EU-Staaten aushandeln, nachdem sie eine gemeinsame Plattform der Union erfolgreich torpediert haben.

Der "Antiterrorkrieg" hat, immerhin, den Blick für Abrüstung und Rüstungskontrolle geschärft: Bisher kam dazu aus Berlin kaum Originelles, nun wird forsch eine "Vorreiterrolle" für Europa angekündigt. Noch besser wäre es, wenn die Deutschen dazu beitrügen, dass die EU zu einer gemeinsamen Bedrohungsanalyse findet - als Gegengewicht zu amerikanischer Szenarienschwarzmalerei.