Bildung – Seite 1

 

Erfolgreiche Bundesbildungsminister sind wie gute Onkel und Tanten. Sie können Kindern und Eltern gut zureden und ab und an ihre Brieftaschen öffnen. Zu mehr reicht ihre Zuständigkeit nicht. An dieser Definition gemessen war Edelgard Bulmahn in den vergangenen vier Jahren eine leidlich erfolgreiche Bildungsministerin - vergisst man einmal das schädliche Verbot von Studiengebühren. Sie hat den Bildungsetat erhöht und mit dem Geld ihre Reformideen, zum Beispiel die Einführung der Juniorprofessur, den Schulen und Universitäten schmackhaft gemacht.

Die fehlende Zuständigkeit des Bundes in den meisten Bildungsfragen hat Bulmahn durch eine Reihe wohlklingender Projekte, Kampagnen und starker Sprüche kompensiert. Es spricht viel dafür, dass die nächsten vier Jahre werden wie die ersten: viel Wind, wieder etwas mehr Geld (was nicht wenig zählt in diesen mageren Zeiten); und der eine oder andere aus Berlin initiierte Schritt in die richtige Richtung. Das gilt zum Beispiel für die zehntausend Ganztagsschulen, die mit dem Geld des Bundes überall im Land entstehen sollen. Die Halbtagsschule ist ein deutscher Sonderweg, der pädagogisch und familienpolitisch in die Irre führt. Ihn langfristig zu beenden ist gut, vorausgesetzt die Schule ändert sich. Es hat wenig Sinn, schlechten Unterricht vom Vormittag auf den Nachmittag zu verlegen und die Kinder zwischendurch auf dem Schulhof spielen zu lassen. Das Versprechen der Koalition, auch das Betreuungsangebot für Kinder bis zu drei Jahren zu verbessern, können die Grünen als Erfolg verbuchen. Im Bulmahn-Ressort jedoch hat die Kita-Offensive nichts verloren, weil sie mit Bildung wenig zu tun hat.

Mit einer Evaluationsagentur und einem Rat der Bildungsweisen, der alle zwei Jahre einen nationalen Bildungsbericht veröffentlicht, will Bulmahn das Thema Schulen zu einem Hauptfach der Bundespolitik machen. Der Versuch wird jedoch solange an den Kultusministern der Länder scheitern, wie es kein nationales Schulgesetz gibt, das Bundeskanzler Schröder noch im Juli forderte. Von einem solchen Gesetz liest man im Regierungsprogramm kein Wort. So wird es die Hauptaufgabe der Bundesbildungsministerin sein, sich mit ihren Länderministern zu verständigen. Die meisten Ziele des Koalitionsvertrages stehen dem nicht entgegen. (Siehe auch Gläserne Schule von Reinhard Kahl)

Bildung – Seite 2