Unter den Göttern hat man auf der Basler Cultura reichlich Auswahl: Osiris-, Schiwa-, oder Buddha-Statuen wurden in allen Größen und Preisklassen angeboten. Ein wahrhaft entzückendes, nur knapp neun Zentimeter hohes weibliches baktrisches Stein-Idol aus dem 3. Jahrtausend vor Christus fand schon in den ersten Minuten nach der Eröffnung der Messe einen Liebhaber. Die winzige, auf ihren gebauschten Röcken thronende, breit lächelnde Figur aus ehemals deutschem Privatbesitz verkaufte der Freiburger Händler Jürgen Haering an ein europäisches Museum. Schnell weg war ebenfalls ein griechischer goldener Eichenkranz, immerhin rund 2500 Jahre alt und mit zarten Blättern und Eicheln besetzt, so frisch, dass ein Sammler ihn bei Rupert Wace Ancient Art London für 68 000 Schweizer Franken auf der Vernissage erwarb.

Die Cultura ist eine noch junge Messe, bei der das Schwergewicht auf der klassischen Antike, Ägypten, Asien und Altamerika liegt, erweitert um Buchkunst, Antiquitäten, Mobiliar des Art déco, Teppiche, antiken und modernen Schmuck bis hin zum Design. 65 internationale Händler, die den strengen Kriterien entsprechen, machen den Besuch der vierten Cultura zu einem überschaubaren und lehrreichen Messeerlebnis.

Aber es wird bereits über eine weitere Verknappung von Angebot und Laufzeit nachgedacht. Ben Janssens, Experte für orientalische Kunst in London und seit Anbeginn im Direktorengremium der Cultura AG, plädiert für "nicht mehr als 50 Händler". Die Verkürzung der Messe im kommenden Jahr auf fünf Tage liegt ebenfalls im Trend, kommt aber möglicherweise den von weit angereisten Ausstellern nicht entgegen. Im vergangenen Jahr war die Galerie Stendhal aus Los Angeles mit den Verkäufen so zufrieden gewesen, dass sie auch diesmal wieder teilnahm. Allerdings war am zweiten Tag der Messe an ihrem Stand mit präkolumbianischer Kunst noch kein einziger roter Punkt zu sehen.

Der seit 25 Jahren ebenfalls mit präkolumbianischer Kunst handelnde Bonner Galerist Ulrich Hoffmann hatte angesichts dreier Konkurrenten erstmals nicht an der Cultura teilgenommen: "Der Kuchen ist zu klein, die Kosten sind zu hoch."

Qualität ist die Messlatte der Cultura, die 1999 aus dem Schweizer Ableger der Maastrichter European Fine Art Fair entstand. Tony Subal aus Wien, spezialisiert auf Art déco, verkaufte ein italienisches Spiegelmöbel (um 1935) nach einem Entwurf von Pietro Chiesa, hergestellt von Fontana Arte, in eine Schweizer Privatsammlung und eine holzgeschnitzte Konsole mit Spiegel aus den dreißiger Jahren, deren Bearbeitung aussah wie graues Wildleder. Mit 6000 Euro war sie keineswegs überzahlt, ebenso wie ein Murano-Kronleuchter mit hängenden gläsernen Blättern aus den vierziger Jahren mit 7500 Euro. Extrem hohen Forderungen bei Makassar-France mochten selbst reiche Amerikaner mit einer Vorliebe für Art déco nicht nachkommen. 210 000 Euro für eine von fünf mit Haifischleder bezogenen Konsolen von Leleu mit einem feuervergoldeten Medaillon schienen denn doch überzogen, zumal das Stück erst kurz zuvor für weniger als ein Viertel von der Galerie ersteigert worden war. Das spricht sich herum.

Die erstmals an der Cultura teilnehmende Hamburger Spezialistin für Silber des 20. Jahrhunderts, Anat Isman-Fänder, hatte einen guten Start. Ein Tee- und Kaffeeservice auf einem Tablett von Jean E. Puiforcat (1937) ging an einen neu gewonnenen Kunden. Museumsleute aus Basel, München, Berlin, Stuttgart und Mulhouse kamen zur Cultura, und wie ein Lauffeuer sprach sich die Anwesenheit des Scheichs von Qatar herum, der an mehreren Ständen antike Kunst kaufte. Aber die Cultura ist nicht nur eine Messe für Reiche. Ägyptische Goldarmbänder bot Royal Athena um die 4500 Euro an, bei den Schmuckhändlern waren Krawattennadeln bereits ab 120 Franken zu haben.

Unter den jüngsten Messeteilnehmern machte Designago gute Geschäfte mit ungewöhnlichen Objekten. Drei der fünf Prototypen von Ufo-Lampen in verschiedenen Größen von Verner Panton um 1975, die nie in die Produktion gelangten, boten Joost van den Bergh und Stefan von Bartha zwischen 11 000 und 50 000 Schweizer Franken an, die kleinste fand sofort einen Käufer, die mittlere bekam immerhin den grünen Reservierungspunkt. Ein Museum erwarb dort auch das Fahrrad, das die schwedische Firma Volvo in den siebziger Jahren als leichtes, preiswertes Rad für jedermann projektiert hatte, das aber im Verlauf des Entwicklungsprozesses 25 Kilo schwer und unverkäuflich wurde. Von den anvisierten 20 000 Stück wurden nicht mehr als 3000 gebaut und sind darob, scheint's, schon museumsreif geworden. Die Cultura läuft noch bis zum 20. Oktober.