Weltweit dreht sich in diesen Tagen alles um den Irak. Wir erleben Massendemonstrationen, endlose Parlamentsdebatten und heftigen Streit. Das Thema Irak entscheidet Wahlen und beschädigt politische Karrieren.

Intellektuelle diskutieren über das ius ad bellum und das ius in bello und sogar die temperamenta belli (Grotius).

Unglücklicherweise werden in dieser Debatte die entscheidenden Punkte kaum berücksichtigt - umso mehr allerdings solche, die nicht einmal einer oberflächlichen Überprüfung standhalten. Zum Beispiel: "Saddam Hussein besitzt keine Massenvernichtungswaffen, und wenn doch, dann können die UN-Inspektoren sie mühelos aufspüren." Kein auch nur ansatzweise mit dem Irak vertrauter Mensch bezweifelt, dass dieses Land über erhebliche Mengen biologischer und chemischer Waffen verfügt, die innerhalb einer Stunde zum Einsatz gebracht werden könnten. Geteilt sind die Meinungen nur darüber, wie lange Saddam noch benötigen wird, um sich auch in den Besitz von Atomwaffen zu bringen: ein Jahr, behaupten die einen, bis zu drei Jahre oder länger, meinen andere.

Was die Waffeninspektoren angeht, so lautet die übereinstimmende Meinung der Experten auf der Grundlage früherer Erfahrungen, dass 140 (oder selbst 1400) Inspektoren schon viel Glück haben müssten, um mit ihren drei oder vier Hubschraubern überhaupt ein paar der irakischen Massenvernichtungswaffen zu finden. Das Meiste bliebe ihnen sicherlich verborgen. Es ist einfach, diese Waffen zu verstecken

einige von ihnen sind transportabel. Und wenn die Inspektoren keinen freien Zugang zu Saddams "Palästen" erhalten, wird die Inspektion sowieso zur Farce.

Doch die meisten Argumente gegen den Krieg sind grundsätzlicher gemeint.

Einige Beispiele: "Amerika und andere westliche Länder haben mit dem Irak paktiert, als das Land im Krieg gegen den Iran zu unterliegen drohte." Das stimmt, aber vergangene Fehler sollte man nicht wiederholen. Saddams Regime ist eine brutale Diktatur und eine Gefahr für die gesamte Region. Doch wäre es dann, fragen manche, nicht die Aufgabe des irakischen Volkes, sich seines Tyrannen zu entledigen? Allerdings: Wie wird man einen modernen Diktator mit gut geöltem Unterdrückungsapparat los, wenn nicht mit Hilfe von außen? Haben solche Regime erst einmal die Macht erobert, sind sie von innen nur sehr schwer wieder zu beseitigen.