Das ist schon eine merkwürdige Strategie - oder ist es Gedankenlosigkeit?

Während Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG (DB), mit großem Tamtam das völlig umgekrempelte neue Preissystem für die Bahn anpreist, wird in seinem Unternehmen heftig daran gearbeitet, potenziellen Kunden den Kauf eines Fahrscheins zu erschweren. Bisher ist das an rund 900 Verkaufsstellen möglich, nun soll ihre Zahl halbiert werden. Darüber hinaus wird auch ein Teil der rund 3000 Ticket-Automaten abgebaut.

Natürlich versucht die Bahn abzuwiegeln. "Wir achten darauf, dass alle Kunden vor der Reise ihre Fahrkarte besorgen können", lässt sie verkünden. Und dafür gebe es neben Schaltern und Automaten auch Reisebüros, das CallCenter der DB, das Internet und als letzte Lösung den Fahrkartenkauf beim Zugbegleiter.

Man werde im Übrigen nicht einfach da sparen, wo der Umsatz am geringsten ist. Jedenfalls überprüft die DB schon seit einiger Zeit sämtliche Vertriebsstellen, versichert aber, die Aktion Schalterschließung sei nicht vor 2005 spruchreif. Wo dann kein Bahnpersonal mehr zur Verfügung steht, könne ja auch der Zeitungskiosk oder der Bäcker Fahrkarten verkaufen. Bleibt zu hoffen, dass die Bahnkundschaft bis dahin gelernt hat, mit dem gewöhnungsbedürftigen neuen Frühbuchersystem umzugehen (siehe auch Seite 25).

Andernfalls wird die DB das Hauptziel ihrer Preisreform selbst sabotieren: mehr Passagiere vom Auto in die Züge zu locken.