Ich bin seit längerem auf der Suche nach dem Geheimnis der Breitreifen.

Stimmt es, dass Breitreifen eine stärkere Beschleunigung und Verzögerung ermöglichen?

Kai Gawehn, Berlin

Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Das fängt schon mit der Definition an: Heute laufen Kleinwagen mit Pneus vom Band, die vor ein paar Jahren noch als Breitreifen bezeichnet worden wären. Einigen wir uns also darauf, dass wir von Reifen reden, die breiter sind als die vom Hersteller empfohlenen und im Fahrzeugschein eingetragenen.

Dann ist die wichtigste Frage: Ist der Rollwiderstand größer? Denn der hängt nicht einfach von der Breite ab, darauf weisen die Reifenfirmen gern hin.

Aber Michael Müller, Reifenexperte beim ADAC, sagt ungerührt: Bei ansonsten gleicher Konstruktionsweise hat der breitere Reifen den höheren Rollwiderstand.

Ein höherer Rollwiderstand bedeutet: Der Reifen verkürzt den Bremsweg, aber er beschleunigt im Allgemeinen nicht besser. Die Höchstgeschwindigkeit ist geringer, der Wagen verbraucht mehr Sprit, und bei Nässe wächst die Gefahr des Aquaplaning. Die Vorteile von Breitreifen: Sie führen zu einem stabileren Fahrverhalten, besonders in Kurven. Aber davon profitieren allenfalls Fahrer mit besonders rasantem Stil. Ansonsten ist der größte "Nutzen" der breiten Schlappen die Optik.