Sozialistische Planwirtschaftler hätten sich die Zuckermarktordnung nicht besser ausdenken können. Denn die europäische Zuckerlandschaft ist eine Welt ohne Risiken und mit garantierten Gewinnen. Sowohl die Preise als auch die Abnahmemengen sind für Zuckeranbauer und -verwerter festgelegt. So steht für sie faktisch schon am Anfang des Jahres fest, was sie in den nächsten zwölf Monaten verdienen werden.

In einem komplizierten Quotensystem wird die Zuckerproduktion der Europäischen Union zunächst in drei Kategorien unterteilt. Für 11,894 Millionen Tonnen Zucker der A-Quote gibt es eine volle Absatzgarantie sowie eine beschränkte Preisgarantie. Sie deckt in etwa den Verbrauch in der EU.

Die B-Quote von 2,588 Millionen Tonnen gilt als Reserve, wird aber fast vollständig exportiert. Auch dieser Zucker wird garantiert abgesetzt, allerdings zu einem niedrigeren Preis. Für C-Zucker hingegen gibt es keine Garantien. Er darf nur außerhalb der Union gehandelt werden.

Besonders ärgerlich für Nichteuropäer: Damit die europäischen Zuckerexporte auf dem Weltmarkt Abnehmer finden, werden sie von der EU subventioniert.

Dagegen öffnet sich der europäische Markt für außenstehende Anbieter nur langsam.

Nur in der Theorie dürfen die 48 am wenigsten entwickelten Länder - darunter Angola, Nepal und die Zentralafrikanische Republik - schon heute zollfrei und ohne mengenmäßige Beschränkung "alle Waren außer Waffen" in die EU exportieren. Diese Regelung gilt jedoch nicht für "sensible Erzeugnisse", und nach Auffassung der Brüsseler Beamten ist neben Bananen und Reis auch Zucker solch ein empfindliches Gut. Nur ein Importkontingent von 74 185 Tonnen darf zollfrei die Grenzen passieren. Dieses Volumen soll jährlich um 15 Prozent gesteigert werden, ab 2009 wird die Einfuhr völlig zollfrei sein.

Für 19 Entwicklungsländer aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik (die so genannten AKP-Staaten) gibt es eine Sonderbestimmung. In einem Zuckerprotokoll hat sich die EU verpflichtet, von ihnen jährlich 1,295 Millionen Tonnen Zucker zu einem Garantiepreis - der mit EU-Steuergeldern finanziert wird - zu kaufen. Langfristig soll sogar eine Freihandelszone mit den AKP-Staaten errichtet werden.